Veröffentlicht von Doris Hüls am Fr., 22. Jan. 2016 11:13 Uhr

„Die Welt reicht nicht“. So lautet die Titel von einem James Bond - Abenteuer. Doch nicht nur die verschiedenen Darsteller von James Bond, sondern der Mensch überhaupt hinterlässt Spuren auf dem Planeten Erde. Mal mehr, mal weniger sichtbar. Manches kann gemessen werden: So haben Wissenschaftler schon vor langem den sogenannten Ökologischen Fußabdruck errechnet. Das Ergebnis: Eine Welt ist nicht genug!
Der Ökologische Fußabdruck zählt alle Ressourcen, die für den Alltag benötigt werden, und zeigt auf, wie viel Fläche benötigt wird, um all die Energie und Rohstoffe zur Verfügung zu stellen. Anschließend wird dieser Flächenverbrauch auf alle Menschen hochgerechnet und mit den auf der Erde real verfügbaren Flächen verglichen. Alle zwei Jahre, zuletzt im Oktober 2014, veröffentlicht der WWF den „Living Planet Report“, der den Verbrauch der Erde nach Nationen aufzeigt. Das Ergebnis für Deutschland: Wenn alle Menschen so leben würden wie wir, bräuchten wir 2,6 Erden, denn der deutsche Fußabdruck liegt bei etwa fünf Hektar. Der gerechte Ökologische Fußabdruck liegt jedoch bei 1,8 Hektar (Hektar ist quasi die „Währung“ des Abdrucks. Die Eine Welt kann pro Person 1,8 ha/Jahr regenerieren). Das mag kompliziert klingen, ist aber für jeden Einzelnen ganz leicht nachzuvollziehen oder ganz einfach ausgedrückt: Dein Ökologischer Fußabdruck sagt dir, wie groß die Fläche ist, die du zum Leben brauchst.

Da unsere Erde nicht unendlich groß ist, haben alle Menschen nur eine gewisse Fläche zur Verfügung. Dafür gibt es Rechenprogramme im Internet, die zeigen, ob du mit deiner Fläche auskommst oder ob du gerade „auf zu großem Fuß“ lebst. „Brot für die Welt“ hat einen einfachen Test entwickelt, der es ermöglicht, seinen persönlichen Abdruck einzuschätzen. Dafür muss man nur 13 Fragen aus den Bereichen Ernährung, Wohnen, Konsum und Mobilität beantworten. Man kann aber auch beim BUND oder anderswo solche Onlinetests machen. Ich kann den Test nur empfehlen. Unsere Familie verbraucht doppelt soviel Ressourcen, wie die eine Welt uns zur Verfügung stellten kann. Das heißt: Für Familie Hirndorf müsste die Welt zweimal da sein.

Da stehe ich nun mit dem Auftrag meines Schöpfers, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Da stehe ich mit meinen Überzeugungen, meinen kläglichen Versuchen, ökologisch und ökonomisch zu leben (von ökumenisch ganz zu schweigen).

Von Erdkapazität und Erdverbrauch – die Wissenschaft
Die Oberfläche der Erde beträgt etwa 51 Mrd. Hektar, wobei nicht die gesamte Fläche für die Menschen nutzbar ist. Hierzu gehören Meere, Eis, Sandwüsten und unfruchtbares Land. Dadurch sind unterm Strich nur 8,3 Mrd. Hektar „produktive Landfläche“ für die Berechnung des Ökologischen Fußabdrucks relevant. Diese 8,3 Mrd. Hektar werden unter allen Menschen fair geteilt, und eine Fläche für den Erhalt der biologischen Vielfalt addiert, so dass jedem Menschen 1,78 Hektar zur Verfügung stehen. Im nächsten Schritt wird geprüft, welche Flächen die Menschen zur Verfügung haben: Weideland, Ackerland, Siedlungsfläche, Wald, Fischgründe und Kohlenstofffläche, die benötigt wird, um CO2-Emissionen zu absorbieren. In den Ökologischen Fußabdruck fließt der gesamte Konsum mit den dazugehörigen Produktionszyklen ein. Am Beispiel unserer Ernährung möchte ich diese Zyklen exemplarisch erläutern:

Zunächst gibt es einen Acker, auf dem unsere Nahrung angebaut wird. Dementsprechend entsteht eine Ackerfläche. Für Dünger und Maschinen fällt zusätzlich ein Betrag für die Energiefläche an. Diese gibt an, wie viel Fläche von CO2 bindendem Material benötigt wird, um den CO2-Ausstoß der Energieträger wieder aufzunehmen und das Gleichgewicht beizubehalten. Die Ernte wird dann verarbeitet und zum Verkaufsort transportiert – möglicherweise erst nach einer gewissen Lagerzeit im Kühlhaus. Hier wächst die Energiefläche weiter und Lagerstätten, Straßenwege und Märkte „kassieren“ Siedlungsfläche. Nach dem Kauf wird die Nahrung wieder transportiert (Siedlungs- und Energiefläche), zwischengelagert und zubereitet (Energiefläche). Die Verpackung und Lebensmittelreste gelangen in den Hausmüll und werden so dem Verwertungskreislauf wieder zugeführt. Jedes Jahr werden in der EU übrigens 90 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen: Das entspricht einer Lastwagenkolonne einmal rund um den Äquator! Lebensmittel gezielter zu konsumieren, erspart der Erde jede Menge Stress. Auch durch den Kauf regionaler Produkte könnten wir Emissionen vermeiden, die durch Transportwege entstehen. Vor allem bei Langstreckenimporten entstehen unnötig viele Treibhausgase. Aber auch eine lange Lagerung oder der Anbau im beheizten Gewächshaus kann viel Energie benötigen.

Hat auch ein T-Shirt einen ökologischen Fußabdruck?
Bis ein T-Shirt bei uns im Laden hängt, hat es in der Regel eine lange Reise hinter sich. Bevor es an jeweils unterschiedlichen Orten genäht und gefärbt werden konnte, wurde zunächst die Baumwolle angebaut – mit Unmengen von Dünger und Pestiziden. Bei all den einzelnen Produktionsschritten (Anbau, Verarbeitung, Transport) werden Ressourcen verbraucht. Im Laden angekommen hat ein 300 Gramm schweres T-Shirt nun schon etwa sechs bis sieben Kilogramm CO2 verursacht. Diese Berechnungen gehen von einem kombinierten Schifffahrts- und Lufttransport aus und beinhalten noch nicht den Einsatz von Chemikalien im Produktionsprozess und Düngemitteln für den Anbau. Um die gesamte Öko-Bilanz eines T-Shirts zu ermitteln, ist zu fragen: Wie oft und bei welcher Temperatur wird es gewaschen? Wird es an der Luft oder in der Maschine getrocknet und vielleicht auch noch gebügelt? Insgesamt verursacht so der Lebensweg eines T-Shirts acht bis neun Kilogramm CO2. Und neben der Klimalast sind die Arbeitsbedingungen, unter denen unsere Klamotten hergestellt wurden, in den meisten Fällen katastrophal.

Aufgabe des Geschöpfes
Ich will kein schlechtes Gewissen machen. Aber wenn der „American Way of Life“ in den USA fünf Planeten verschleißt, ist es an der Zeit für uns alle, den eigenen Konsum zu hinterfragen, beim Einkauf auf umwelt- und sozialverträglich hergestellte Produkte zu achten und nur zu kaufen, was man auch wirklich braucht. Jeder Einzelne kann damit einen Beitrag zur Lösung globaler Probleme beim Ressourcenverbrauch, bei sozialer Ungerechtigkeit und in der Schöpfungsbewahrung leisten. Aber auch die Politik ist in der Pflicht, Transparenz für die Verbraucher zu schaffen, Unternehmen in Schranken zu weisen, die Produktion sowie den Kauf nachhaltiger Produkte zu fördern und neue Maßstäbe für gesellschaftliches Glück zu finden – abseits von Wirtschaftswachstum und Konsum.

Und ein Letztes: Wir sind nicht allein auf dieser einen Welt. Ein Bürger in Bangladesh hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck von 0,5 ha.

von Ulrich Hirndorf

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