Veröffentlicht von Doris Hüls am Fr., 22. Jan. 2016 11:19 Uhr

Nur beim Kauf von frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln wissen wir mit Sicherheit, woher sie stammen und wie sie transportiert wurden. Jeder Verarbeitungsschritt kostet zusätzliche Energie - genauso bei eingeflogenen Waren. Die Herstellung von Tiefgefrorenem erfordert ständige Kühlung, weshalb dafür viermal so viel Energie benötigt wird wie für frische Ware. Die Weißblechdose und das Einwegglas schneiden auch nicht besser ab. Was also tun? Ulrich Hirndorf (UH) hat mit seinem ökologischen Fußabdruck im Gepäck die Landschaft durchforstet und ist in Geeste fündig geworden. Dort baut der junge Agrarbetriebswirt Christian Holtkötter (CH) auf dem elterlichen Hof frisches Obst und Gemüse an und vertreibt es saisonal und regional mit einer grünen „Abo-Kiste“, die er selbst zu den Kunden bringt. Auch nach Nordhorn. Wie er darauf kam und wie das Ganze funktioniert, darüber sprach Ulrich Hirndorf mit dem Nachwuchsgemüsebauern.


UH: Herr Holtkötter, Sie als frisch ausgebildeter Agrarbetriebswirt in einem etablierten Familienbetrieb bringen frischen Wind und neue Ideen in die Region. Woher stammt die Idee mit einer grünen Kiste?

CH: Die Idee mit den Abokisten ist nicht neu, sondern wird auch hier in der Region schon länger praktiziert. Erste Erfahrungen und Eindrücke konnte ich schon während meiner Ausbildungszeit auf einem Bioland Betrieb sammeln. Während meiner anschließenden Fachschulausbildung zum Agrarbetriebswirt Schwerpunkt Gemüsebau in Essen konnte ich dann durch mehrere Exkursionen zu Betrieben, die sich auf Gemüse- und Obstkisten spezialisiert hatten, weitere Eindrücke sammeln und gewinnen.

Um kurze Wege zwischen Produkten und Zielort zu ermöglichen, entsprang dann die Idee, nur regionale und saisonale Lebensmittel anzubieten. Das ermöglicht uns, unser Gemüse und Obst zum optimalen Reifezeitpunkt zu ernten. Und durch die regionale Nähe haben wir einen geringen Qualitätsverlust. Vom Zeitpunkt der Ernte bis zur Lieferung an die Haustür vergehen keine 24 Stunden! Empfindliche Produkte - wie z.B. Erdbeeren, Salate oder Kräuter - werden erst früh am Morgen geerntet und sind dann schon am Mittag zu Hause.

UH: Eine der Errungenschaften der deutschen Marktwirtschaft ist es eigentlich, zu jeder Zeit jedes Obst und Gemüse frisch in den Supermärkten zu bekommen. In unserer Region und auf Ihrem Hof wächst ja nicht alles zu jeder Zeit. Ist die grüne Kiste nicht ein Rückschritt für den Verbraucher?

CH: Nein im Gegenteil, regionale und saisonale Ernährung ist zwar über die Wintermonate mit Beschränkungen verbunden, doch dies bedeutet keinen Verzicht auf Vielfalt. Zu unterschiedlichen Jahreszeiten sind unterschiedliche Produkte frisch oder als Lagerware erhältlich. Gerade die regionale Ernährung fördert eine abwechslungsreiche Ernährung und Kreativität bei der Zubereitung.

UH: Es gibt in Nordhorn auch Standorte für Wochenmärkte, wo die heimischen Produzenten frisch ihre Produkte anbieten. Wo ist der Unterschied zu Ihrer Idee, die ja auch die Bezeichnung Abokiste trägt?

CH: Dadurch, dass wir das Gemüse direkt nach Hause an die Haustür liefern, entsteht ein persönlicher Kontakt zwischen Verbraucher und Erzeuger, dies finde ich immer sehr wichtig und ist in meinen Augen eine Voraussetzung für persönliche Verantwortung und Gewissenhaftigkeit. Auch gibt es Personen, die halt nicht mehr in der Lage sind, volle Taschen mit Kartoffeln und anderen Sachen nach Hause zu tragen. Bei der Vermarktung unseres Gemüses ist es für uns sehr wichtig, dass das Gemüse und Obst erntefrisch den Weg zu den Kunden findet. Und durch die Abokiste und die Kundenabsprachen ernten wir nur das, was auch gebraucht wird. Die Produkte behalten dadurch einfach ihre unverwechselbare Frische.

UH: Heißt saisonal dann nicht, dass es im Winter nur Weißkohl und Rote Bete bei Ihnen auf dem Feld gibt? Was kann alles drin sein in der Kiste?

CH: Viele Kunden sind der Auffassung, dass es über die Wintermonate nur eine beschränkte Auswahl an frischem Gemüse gibt. Vergleicht man die Sommermonate mit den Wintermonaten, stimmt dies auch. Dennoch ist die Vielfalt an Wintergemüse groß. Wintergemüse, das frisch geerntet wird, ist Feldsalat, Porree, verschiedene Kohlsorten, Champignons und Postelein (Portulak). Andere Gemüsekulturen wie z.B. Wurzelgemüse, Chinakohl, Weiß- und Rotkohl, Kartoffeln, Rote Bete sowie Zwiebeln werden vor dem ersten Frost geerntet und eingelagert. In den Sommermonaten wird die Kiste bestückt sein mit unterschiedlichen Salaten, Spargel, Gurken, Paprika, Tomaten, Kohlrabi, Sommerkohlsorten, frischen Kräutern und verschiedenem Beerenobst. Des Weiteren sind je nach Jahreszeit und Saison noch weitere Gemüsesorten und Obstsorten mit in der Kiste. Bei der Zusammenstellung der Kisten achten wir auf Abwechslung und Ausgewogenheit.

UH: Jetzt habe ich so eine grüne Kiste und finde darin Pastinaken, Petersilienwurzeln und Steckrüben. Weiß eigentlich noch jemand zuhause, was er daraus machen kann? Das sind ja mittlerweile exotische Ackerfrüchte.

CH: Das stimmt! In regelmäßigen Abständen befinden sich deshalb Rezept- und Zubereitungsideen in der Kiste. Gerade dann, wenn die „exotischen Ackerfrüchte“ mit in der Abokiste ausgeliefert werden. Und ich stelle regelmäßig interessante Informationen zu bestimmten Obst- und Gemüsesorten zusammen. Wer weiß heute noch, dass Pastinaken harntreibend und appetitanregend sind? Manchmal hilft aber auch, Oma mal zu fragen. Dann kann man zuhause generationenübergreifend kochen!

UH: Herr Holtkötter, eine letzte Frage. Kann man sich das alles bei Ihnen auch erstmal anschauen, bevor man was bestellt und wie komme ich in Kontakt zu Ihnen?

CH: Vor der ersten Auslieferung besprechen wir gerne persönlich die Zusammenstellung der Kiste bei uns im Hofladen per Telefon oder per email mit den Kunden ab. Von der Singlekiste bis zur Familienkiste geht alles. Und besonders freuen wir uns natürlich über einen Besuch des Kunden, der den Weg zu uns auf sich genommen hat und geben gerne Auskunft über den Anbau der verschiedenen Gemüse- und Beerenkulturen. Im Hofladen gibt es auch die Produkte unserer 10 Partner aus der Region, darunter eine Biomolkerei und eine Sortenimkerei, deren Bienen auf unseren Heidelbeerfeldern fliegen. Da gibts noch Einiges zu entdecken und das packen wir auch gerne in die Abokiste. Finden kann man uns gleich neben dem Naturschutzgebiet am Speicherbecken Geeste, Starenweg 2. Erreichbar sind wir tagsüber unter der Telefonnummer 059077189 und unter der email info@hofladen-emsland.de

UH: Herr Holtkötter, ich danke Ihnen für das interessante Gemüseallerlei!

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