Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 26. Jan. 2016 17:44 Uhr


Ankunft und Einführung in Kamerun

Nachdem wir zehn „Brot-Freiwilligen“ den Flieger und das Flughafengebäude verlassen hatten, erschlugen uns direkt eine Welle von Eindrücken und die schwüle Hitze der kamerunischen Großstadt Douala. Wir wurden von Florentine, unserer Landesmentorin, abgeholt und zu unserer Unterkunft für das Einführungsseminar in Douala gefahren. Neben der Sensibilisierung für die fremde Kultur haben wir gemeinsam über Ängste und Erwartungen gesprochen, Fragen geklärt und das erste Mal einen kamerunischen Markt erkundet. Für mich hieß es bei der Abreise aus Douala Abschied nehmen von den anderen Freiwilligen, da ich alleine in Kumbo stationiert sein würde.

Meine Einsatzstelle

Meine Partnerorganisation ISTP ist eine Bildungsorganisation der „Presbyterian Church in Cameroon“ und der „Cameroon Baptist Convention“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Lehrer von Schulen in Kamerun weiterzubilden. Dabei sollen pädagogische Fähigkeiten ausgebaut und der Unterricht hin zu methodischem und vielfältigem Arbeiten verändert werden. Seit 2014 läuft ein Pilot-Projekt von ISTP in fünf Schulen in ganz Kamerun. Dieses Projekt zielt darauf ab, die Unterrichtsqualität zu erhöhen, indem den Kindern der Lernstoff auf spielerischere Weise und durch methodische Vielfalt näher gebracht wird. Auch der gewaltfreie Umgang miteinander steht im Mittelpunkt — ein Wert, den die meisten kamerunischen Kinder nicht von zuhause kennen.

In den ersten zwei Wochen waren noch Schulferien (also keine Arbeit für mich), weshalb Kifem Solange (meine Mentorin und zuständige Lehrerin an meiner Schule) fast jeden Tag mit mir verbrachte, mir die Stadt zeigte, mir half mich einzurichten und mir jede Frage beantwortete. So hatte ich kaum Zeit, mich allein zu fühlen oder Heimweh zu bekommen.

Ich wurde in der Nursery and Primary School Tobin in Kumbo (einer der fünf Pilotschulen; siehe Foto) eingesetzt. Mit dem Ende der Sommerferien habe ich angefangen, in der Nursery Section (Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter) zu arbeiten. Dort gibt es für Nursery 1 und Nursery 2 nur eine Lehrerin und eine Hilfe, die den Kindern beim Toilettengang hilft, putzt, kocht, etc. Daher war ich dort direkt eine große Hilfe. Vor Kurzem habe ich außerdem angefangen, in der dazugehörigen Primary School Computerunterricht zu geben, wobei die Kinder viel Spaß haben und größtenteils zum ersten Mal in ihrem Leben einen Computer benutzt haben.

Ein Problem, das ich habe, ist, dass obwohl es Gewalt an einer ISTP-Schule eigentlich nicht geben darf, ich doch mitbekommen habe, dass die Hilfskraft in der Nursery Kinder schlägt. Was ich aber auch erkenne, ist, dass es schwierig für die Lehrerinnen ist, sich durchzusetzen, ohne zumindest zu schreien oder Gewalt anzudrohen, weil der Großteil der Kinder von klein auf im Elternhaus Gewalt erfahren hat und somit auch keine andere Antwort auf Konflikte kennt. Ich erkenne aber an, dass die Lehrerinnen keine physische Gewalt einsetzen, soweit ich das mitbekomme und sich bemühen, nur in engen Grenzen Bestrafungen zu erteilen. Das ist wirklich etwas Besonderes an einer kamerunischen Schule.

Unterbringung und Freizeit

Ich habe eine kleine Wohnung mit Schlafzimmer, ein kleines Bad mit Toilette/Abfluss am Boden zum Duschen, Raum mit Eingangstür, Sofa und Esstisch sowie eine kleine Küche. Ich wohne in einem recht ruhigen Viertel und habe direkt einen kleinen Shop vor der Tür, wo ich die nötigsten Dinge immer kaufen kann. In meinem Viertel fühle ich mich sehr sicher, da ich mittlerweile auch die meisten der Nachbarn kenne und oft einfach mal auf der Straße ein wenig mit ihnen plaudere. Neben meinen Kolleginnen habe ich ein paar kamerunische Freunde gefunden. Außerdem wimmelt es in Kumbo nur so von deutschen Freiwilligen. Ich bin zwar die einzige von „Brot für die Welt“, aber es gibt noch sechs weitere deutsche Freiwillige, mit denen ich mich auch oft treffe, um zu kochen, die Umgebung zu erkunden, Ausflüge zu machen oder Ähnliches.

Miteinander sprechen

Die Sprache erwähne ich gesondert, da es in Kumbo eine Besonderheit gibt. Anders als in Douala, wo die erste Sprache Französisch ist oder Bamenda, wo die erste Sprache Englisch/Pidgin-Englisch ist, ist es hier in Kumbo anders: Die Sprache ist Lamnso. Untereinander sprechen die Leute hier eigentlich immer Lamnso, was eine komplett andere Sprache als Englisch ist. Das hat mir zu Anfang etwas Angst gemacht, aber es sprechen auch fast alle hier Englisch als Zweitsprache, weshalb ich eigentlich gut zurechtkomme. Die Leute sprechen einen zwar immer auf Lamnso an, weil sie gerne hätten, dass jeder, der nach Kumbo kommt, doch bitte auch Lamnso sprechen kann, aber wenn man so ein paar Begrüßungsfloskeln und Small-Talks nach einiger Zeit drauf hat, freuen sie sich schon sehr, dass man sich wenigstens etwas mit ihrer Sprache auseinandersetzt.

Mein Fazit

Bisher kann ich also nur sagen, dass ich mich hier in Kamerun und besonders in Kumbo sehr wohl fühle. Kumbo ist zwar klein, aber eine dafür sehr schöne Stadt mit viel Natur, die man erkunden kann. Bamenda ist außerdem nur 2 1/2 Stunden entfernt, weshalb ich schon recht oft dort bei den Freiwilligen zu Besuch war. Nicht zuletzt, weil ich Geld mit meiner Kreditkarte abheben wollte, was hier in Kumbo leider nicht möglich ist, da es keinen VISA-Automaten gibt. Ich habe das Gefühl, dass ich in den ersten drei Monaten meines Freiwilligendienstes schon sehr viel von der Kultur und Tradition hier mitbekommen habe, was hier in Kumbo auch leicht fällt, da hier kein Großstadtleben mit vielen westlichen Elementen wie in Douala oder auch Bamenda herrscht. Besonders gut gefällt mir die Gelassenheit und Offenheit der Leute hier, mit der sie mir begegnen. Zwar ruft jeder „Kimbang“ (Whiteman auf Lamnso) oder „Whiteman“, wenn man als Europäer hier herumläuft, was manchmal ganz schön nerven kann, aber einfach dazugehört. Und doch ist die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, mit der einem hier begegnet wird, einfach umwerfend. Insgesamt ist das Verhältnis der Menschen hier viel familiärer, da man jede ältere Frau, die auf dem Markt verkauft oder die man anderswo trifft, mit „Ma“ oder „Mama“ anspricht und mein etwas älterer Nachbar schon längst „Papa Dan“ für mich ist. Das gefällt mir sehr gut.
Problematisch dabei ist für mich, dass aus Gelassenheit eben auch Unpünktlichkeit resultiert, was hier definitiv zum Alltag gehört. Ich bin ein ziemlich pünktlicher Mensch und musste mich daran also erst einmal gewöhnen. Auch gibt es keinen großen Raum für Privatsphäre unter Kamerunern, was manchmal etwas nervt, wenn man mal nicht die Einladung zum Essen annehmen möchte, weil man zu Hause chillen will oder schon gegessen hat. Essen abzulehnen ist sowieso sehr schwer hier. Man gewöhnt sich an die riesigen Portionen, die einem aufgetischt werden und ich esse einfach nichts zuhause, wenn ich weiß, dass ich mittags oder nachmittags eingeladen bin.

Das war es erst einmal von mir über meine ersten drei Monate hier in Kamerun. Liebe Grüße aus Kumbo! Paula





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