Veröffentlicht von Doris Hüls am Fr., 18. Mär. 2016 11:08 Uhr

Im Januar kommen zwei junge Iraner direkt nach einem Gottesdienst auf mich zu. Über eine befreundete Familie haben Reza und Armin ihren Weg in die Kreuzkirche gefunden. Seit einigen Monaten sind sie bereits in Nordhorn und kamen zunächst in der Euregio-Sporthalle und danach in der Anne-Frank-Schule unter. In der Zwischenzeit wohnt Reza in Bad Bentheim und Armin hat eine Bleibe in Lohne. Beide verstehen sich recht gut und eine Freundschaft hat sich entwickelt. Gerne wären sie natürlich an einem Ort geblieben, was derzeitig nicht möglich ist.

Ihr Wunsch ist es, so lerne ich in unserem Erstkontakt, mehr über den christlichen Glauben zu erfahren und möglicherweise auch getauft zu werden. Ganz treu feiern beide seither unsere Gottesdienste mit.

Seit Mitte Januar treffen wir uns nun zusätzlich ganz regelmäßig im Gemeindehaus der Kreuzkirche. Gemeinsam bearbeiten wir einen Glaubenskurs, welchen die IranerSeelsorge der Hannoverschen Landeskirche herausgegeben hat. Themen sind die Bibel als Gottes Geschichte mit den Menschen, Jesus, Gebote, Glauben, Taufe und Abendmahl. Selbstverständlich werden auch die christlichen Feste und Feiertage behandelt und der Ablauf des Gottesdienstes kommt nicht zu kurz.

Die Sprache allerdings ist momentan noch ein großes Problem. Doch Not macht erfinderisch. Da ist Nahid, eine 23-jährige Iranerin, die für mich übersetzt. Wir beide sprechen Englisch miteinander und Nahid übersetzt für die beiden Männer ins Farsi. Die Männer antworten in ihrer Muttersprache und deren Gedanken und Diskussionsbeiträge übersetzt Nahid dann für mich wieder ins Englische.

Es ist bemerkenswert, wie intensiv sich die Männer mit den biblischen Texten auseinandersetzen. Sie fragen, lernen und staunen und ich tue das auch. Intensives Bibelstudium, Gebet, christliche Gemeinschaft und das so, wie man es in vielen unserer sogenannten gemeindlichen Veranstaltungen häufig gerade nicht erlebt. Immer wieder kommen wir in unserem Gespräch auch auf die private Situation der Iraner zu sprechen. Da gibt es Heimweh nach der Familie. Da ist die Frage, wie und ob es hier in Deutschland weitergehen wird. Ich höre aber auch von Situationen in der Unterkunft, die hin und wieder bedrängend sind, weil von anderen Männern in der Gemeinschaftsunterkunft das Christentum scharf abgelehnt wird und weil denen Steine in den Weg gelegt werden, die sich offen zu ihrem Glauben bekennen wollen - insbesondere dann, wenn sie vorher Muslime gewesen sind. Anfangs war es deshalb für Reza und Armin so, dass sie zum Bibellesen lieber in das Gemeindehaus kamen als dies in ihrer Unterkunft zu tun, wo sie sich diesbezüglich nicht sicher fühlten.

Auch in anderen Gemeinden in unserem Kirchenkreis haben Iraner konkret um Taufunterricht angefragt. Am 5. März hat es darum ein Treffen in Bawinkel gegeben. Es konnten unter Beteiligung von Pastor Günter Oborski aus Hannover, welcher für die Iranerseelsorge zuständig ist, wichtige Fragen angesprochen werden. Ich würde mich freuen, könnten wir die „neuen Gesichter“ in unserem Gottesdienst weiterhin fröhlich willkommen heißen.

von Thomas Kersten

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