Veröffentlicht von Doris Hüls am Fr., 20. Mai. 2016 10:14 Uhr

Der Burenkrieg hat dem jüngsten General der britischen Armee, Baden-Powell viele Erkenntnisse gebracht. Zwei der Wichtigsten sind vielleicht diese: Zum einen, dass der Krieg nicht ein Mittel sein kann, miteinander zu leben. Zum anderen, dass vor allem junge Menschen in der Lage sind, selbst schwierige Dinge zu erledigen, wenn man sie denn lässt.

Mit diesen und weiteren Ideen im Kopf gründete Baden-Powell die Pfadfinderbewegung. Ihm war klar, dass die Umsetzung seiner Ideen nicht von alleine kommt. Man muss daran arbeiten. Man muss lernen, Wege zu finden, die dem Frieden dienen. Gleichzeitig muss man Wege vermeiden, die dem Unfrieden dienen. Dazu entwickelte er Regeln (Gesetze), mit denen dieses Ziel „Frieden“ erreicht werden kann. Zugleich zeigte er dafür Methoden auf.

„Learning by doing“ ist dafür ein Ansatz. Die deutschen Pfadfinder machten daraus: „Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert.“ Aber was muss man tun, um den Frieden zu erreichen? Ein Beispiel: „Der Pfadfinder ist nützlich und hilft anderen.“ So hieß es vor 100 Jahren. Die Nordhorner Christlichen PfadfinderInnen vom Stamm der Wassergeusen formulieren heute: „Anderen helfen – nicht nur an sich selber denken.“ Der Gedanke dahinter ist, durch das Tun des Guten zu zeigen, wie das Zusammenleben gestaltet werden kann. Dazu gehört auch die oft zitierte (und karikierte) tägliche „Gute Tat“. Auch dadurch wird das friedliche Miteinander gefördert.

“A Scout is a friend to all, and a brother to every other Scout, no matter to what social class the other belongs.” (Der Pfadfinder ist jedem ein Freund und ein Bruder für jeden anderen Pfadfinder - unabhängig von der sozialen Klasse des Anderen.) Auch in dieser uralten Pfadfinderregel soll praktisch geübt und erfahren werden, dass ein Leben mit Freunden nur friedlich sein kann.

Kleine und große Lager sind eine gute „Trainingsmöglichkeit“ Freundinnen und Freunde zu gewinnen (making friends). Das geschieht etwa international auf den Jamborees. Der Begriff kommt wohl aus dem afrikanischen und bedeutet „friedliches Zusammensein aller Stämme“. Es treffen sich alle vier Jahre auf den Jamborees Mädchen und Jungen zwischen 14 und 18 Jahren (Leiterinnen und Leiter dürfen älter sein). Ca. 30 000 bis 40 000 Jugendliche aus etwa 150 Nationen (1995 waren es in den Niederlanden sogar 166) kommen zusammen und gestalten gemeinsame Programme – oft auch über das Lager selber hinaus. Schon 1924 in Dänemark sind die Teilnehmer eine Woche lang zu Gast in dänischen Familien gewesen. 1967 beim Jamboree „For Friendship“ in den USA konnten die Deutschen verschiedene Pfadfindereinrichtungen und auch Familien kennenlernen. Solche Eindrücke sind natürlich beeindruckend und es entwickeln sich zahllose Brieffreundschaften - so auch beim letzten Jamboree 2015 in Japan und mit Sicherheit auch 2019 in den USA.

von Hartmut Schwartz

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