Veröffentlicht von Doris Hüls am Do., 25. Aug. 2016 09:21 Uhr

Sonja Henkenborg (SH): Liebe Gisela, was müsste sich jemand, der zum ersten Mal mit dem Begriff konfrontiert wird, unter dem Frauengottesdienst vorstellen?

Gisela Ridder (GR): Der Frauengottesdienst ist ein Gottesdienst, der von Frauen gestaltet wird. Das bedeutet aber nicht, dass er nur Frauen ansprechen will. Es ist ein Gottesdienst für alle, also auch für Männer, für Konfirmanden, für Familien. Es hat etwas gedauert, bis das in der Gemeinde auch so verstanden wurde.

SH: 1991 wurde der erste Frauengottesdienst gefeiert. Das ist jetzt 25 Jahre her. Wie ist diese Tradition entstanden?

GR: Das Frauenwerk der Lutherischen Landeskirche Hannovers hatte die Empfehlung ausgesprochen, einmal jährlich einen Frauengottesdienst zu feiern. Vorher hatte der Ökumenische Rat der Kirchen in Genf die Dekade „Kirche in Solidarität mit Frauen“ ausgerufen. Das Anliegen dieser Aktion war es, die Unterdrückung und Ausgrenzung von Frauen weltweit sowie die an ihnen verübte Gewalt zum Thema zu machen. Die Kollektenprojekte spiegeln diese Anliegen wider. Dieser Frauengottesdienst sollte nicht nur den Begriff Frauen im Namen tragen, sondern aktiv von Frauen aus den Gemeinden gestaltet und durchgeführt werden. Dass daraus eine Tradition erwachsen würde, die auch nach einem Vierteljahrhundert noch Bestand hat, konnte man damals allerdings nicht ahnen. Das ist nicht selbstverständlich, und darüber freue ich mich sehr.

SH: Von Beginn an hast du dich beim Frauengottesdienst engagiert. Wie kam es dazu?

GR: Ich war von 1991 bis 1997 Beauftragte für Frauenarbeit im Kirchenkreis Emsland-Bentheim. Außerdem leitete ich bereits damals den Frauengesprächskreis. Als dann der Frauengottesdienst 1991 erstmals stattfand, lag es nahe, mich auch in meiner Gemeinde, der Christuskirche, dafür stark zu machen. Diese Aufgabe hat mir sehr viel Freude bereitet und tut es noch immer.

SH: 25 Jahre sind wirklich eine lange Zeit. Besteht das Team aus einem relativ festen Kreis von Frauen, oder gibt es da viel Fluktuation? Ist es schwierig, jedes Jahr aufs Neue Frauen für die Vorbereitung und den Gottesdienst zu gewinnen?

GR: Viele Frauen, die sich 1991 beteiligt haben, sind lange Jahre dabei geblieben. Auch jetzt gibt es Frauen, die seit Jahren verlässlich dabei sind. Dazu gehörst du ja auch seit einigen Jahren. Es ist allerdings nicht ganz einfach, jüngere Frauen zu gewinnen, Nachwuchs sozusagen. Ich verstehe das aber. Heute sind jüngere Frauen größtenteils viel umfangreicher berufstätig, als das in meinen jüngeren Jahren der Fall war. Das reduziert natürlich die freie Zeit für ein Ehrenamt erheblich. Doch bislang ist es jedes Jahr gelungen, ein ausreichend großes Team zu finden, und ich bin zuversichtlich, dass das auch in der Zukunft so bleiben wird. Und seit 2009 feiern wir den Gottesdienst gemeinsam mit allen lutherischen Gemeinden in Nordhorn. Das erweitert den Personenkreis.

SH: Welche Aufgaben werden in diesem Gottedienst von den Frauen wahrgenommen?

GR: Fast alle. Begrüßung und Verabschiedung am Beginn bzw. am Ende des Gottesdienstes, das Eingangsgebet, Abkündigungen, Verlesung der Fürbitten, Mitwirkung bei der Austeilung des Abendmahls. Manchmal gibt es ein Anspiel mit verteilten Rollen. Predigtworte übernahmen Pastor Siebrecht und später Pastorin Olearius. Viele Jahre war auch die Frauen-Tanzgruppe fester Bestandteil des Gottesdienstes. Doch die gibt es leider heute nicht mehr.

SH: Das hört sich nach einer Menge Personal an. Wenn man sich das vor Augen hält, wird auch deutlich, warum der eine oder andere Gottesdienstbesucher das gewöhnungsbedürfig fand.

GR: Ja, genau. Heute sind aber keine Vorurteile mehr zu erkennen.

SH: Das klingt ja gut! Wie findet ihr das Thema für den Gottesdienst?

GR: Das Thema wird jedes Jahr über die Landeskirche vorgegeben, die den Frauensonntag mittlerweile als fest verankerten Gottesdienst im Kirchenjahr eingestuft hat.

SH: Geht es thematisch immer um Frauen?

GR: Nicht grundsätzlich. Das ist auch nicht Bedingung. Aber man kann es fast immer so gestalten, dass eine Frau aus der Bibel eine zentrale Rolle im Gottesdienst hat.

SH: Dieses Jahr lautet das Thema „Visionen“. Ich habe die Vision, dass es den Frauengottesdienst weitere 25 Jahre geben wird. Mindestens. Liebe Gisela, ich danke dir sehr für das Gespräch.

Kategorien Themenschwerpunkt