Veröffentlicht von Doris Hüls am Fr., 25. Nov. 2016 11:46 Uhr

Heinrich Koke:

Jesus bedeutet mir alles. Alles, was mir das Leben wert macht.



Ich war vielleicht 27 Jahre alt. Meine Schwester Hannelore war Konfirmandin und der Pastor von der Neuen Kirche kam zu uns nach Hause zum Hausbesuch. Ich stand in der Küche mit dem Rücken zum Schrank und hörte zu. Schließlich war ich neugierig, wenn der Pastor schon mal da war. Irgendwann drehte er sich um und fragte: „Und was ist denn mit dir?“ Wegen des Krieges war bei mir die Konfirmation in Vergessenheit geraten.



Und weil ich mich gerne weiterbilden wollte, ging ich dann also abends unter der Woche zum Konfirmandenunterricht. Wir waren etwa zehn Leute. Das Vaterunser und die erste Frage des Heidelberger Katechismus habe ich gelernt. Meine Mutter hat mit mir gelernt. Ihr hat es auch gut getan.



Aber mein Herzensinteresse am Glauben entstand erst später. Beim Traugespräch hatte Pastor Kleinschmidt mir und meiner zukünftigen Frau Ida eine Bibel geschenkt. Ich ging dann auch regelmäßig in den Gottesdienst, wo ich Fritz Falk traf, der damals sehr aktiv dort war. Mit ihm habe ich viel gesprochen und er konnte mir viel sagen. In einer Passionsandacht verstand ich auf einmal, wie sehr Jesus gelitten hatte. Ich konnte einfach nicht verstehen, wie man so einen freundlichen Menschen so grässlich behandeln konnte. Mir liefen nur noch die Tränen übers Gesicht.



Zu dieser Zeit hatte ich die Bibel von Pastor Kleinschmidt schon ungefähr zur Hälfte gelesen. Ich fragte Fritz Falk: „Wann kommt denn endlich etwas von Jesus?“ „Da musst du das Neue Testament aufschlagen“, sagte er. Und da habe ich dann Matthäus gelesen. So bekam ich Interesse an Jesus.



Sonja Henkenborg:

Wie war Jesus? Was war er für ein Mensch? Was hatte er Besonderes an sich, dass ihm so viele Menschen gefolgt sind? Seine Anhänger haben alles stehen und liegen gelassen, um sich ihm anzuschließen. Und es waren nicht nur Menschen, die nichts zu verlieren hatten. Viele haben ihre Familie verlassen, ihre Arbeitsstelle, ihr soziales Umfeld – für wen, für was würde man das tun? Welchem Leidensdruck muss man ausgesetzt sein? Was hätte ich getan?

Ich stelle mir vor, das Jesus unglaublich charismatisch gewesen sein muss, unwiderstehlich, überzeugend sowohl in seiner Art als auch in seinen Worten. Er hat nur etwa drei Jahre lang gewirkt – ich kann mir das kaum vorstellen, wenn ich bedenke, welch starken Einfluss er hatte und bis heute hat. Wenn ich dann noch berücksichtige, wie es vor etwa 2000 Jahren gewesen sein muss, finde ich es noch unglaublicher. Es gab keine Zeitung, kein Telefon, kein Radio, kein Fernsehen, kein Internet. Nachrichten haben sich nur mündlich verbreitet, von Person zu Person, von Ort zu Ort. Wie lange hat es wohl gedauert, bis Jesus überall im Lande Israel ein Begriff war? Haben die Menschen vielleicht auch übertrieben, wenn sie anderen über Jesus berichtet haben? Und wie hat das auf die Herrschenden gewirkt? Es ist nicht verwunderlich, dass die römischen Besatzer, aber auch viele Rabbiner höchst alarmiert waren und Jesus Einhalt gebieten wollten.

Jesus hat sehr viele Menschen fasziniert und inspiriert und tut es bis heute. Martin Luther. Mahatma Gandhi. Martin Luther King. Vor allem aber viele Menschen, die wir persönlich kennen, denen wir täglich begegnen. Sein Funke springt nach mehr als 2000 Jahren immer noch über.

Larissa Schulte

Mit Jesus verbinde ich Nächstenliebe.

Seine Botschaft, die er uns vermitteln will, ist: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Er hat uns diese Nächstenliebe vorgelebt. Er wendete sich bedingungslos den notleidenden, armen, unterdrückten und ausgegrenzten Gruppen zu. Wie z. B. dem Zöllner Zachäus, der die Juden beraubte und durch die Zuwendung und Vergebung Jesu sein Verhalten änderte, indem er sein Raubgut um ein Vierfaches erstatten und die Hälfte seines Besitzes den Armen geben wollte.
Mit dem Gleichnis des barmherzigen Samariters zeigt Jesus uns, wer unser Nächster ist und wie wir uns gegenüber unseren Nächsten verhalten sollen: Notleidenden gegenüber barmherzig zu sein und zu helfen anstatt ungeachtet vorbei zu laufen.Diese Botschaft sollten wir in unserer Gesellschaft umsetzen, um unseren Teil zu einem friedvolleren Miteinander beizutragen, gerade in dieser vorurteils-lastigen Zeit.

Da dies nicht so einfach ist, gerade wenn man selbst sein „Päckchen zu tragen hat“, könnten wir mit kleineren Dingen anfangen: im Alltag darauf achten, was um uns herum geschieht,; dem Gegenüber Zeichen der Wertschätzung wie ein Lächeln schenken; jemandem etwas geben, das er verloren hat; jemandem über die Straße helfen; ein offenes Ohr haben oder jemandem Trost spenden.

Und diese Nächstenliebe hilft nicht nur dem anderen und macht ihn glücklich, sondern auch einen selbst. Ich war z.B. mal mit dem Rad unterwegs und vor mir fuhr eine Dame, die ihre Handtasche verlor. Ich rief ihr zu, dass sie sie verloren hatte, doch sie hörte es nicht und fuhr weiter. Ein weiterer Passant reagierte nun auch und rief etwas lauter. Da bemerkte sie uns und den Verlust ihrer Tasche. Ich drückte ihr diese in die Hand und sie wirkte richtig erstaunt und dankbar zugleich. Sie schien glücklich zu sein und ich hatte auch ein Glücksgefühl, weil ich wusste, dass ich etwas Gutes getan hatte. Auch wenn es nur eine Kleinigkeit war.




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