Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 29. Aug. 2017 17:52 Uhr

Essen und Trinken spielte wohl zu allen Zeiten eine große Rolle. Im 16. Jahrhundert wurden zwei Drittel des Einkommens der normalen Bürger (der Adel ist ausgenommen) für Essen und Trinken verwendet. Daher war in den Küchen auch eine Menge los. Schließlich musste eine sehr kalorienreiche Speise bereitet werden – etwa 4 000 bis 5 000 Kalorien täglich. Das lag daran, dass man sich viel bewegen musste und die meiste Arbeit den Körper sehr forderte. Selbst Leute wie Luther oder Melanchthon saßen nicht nur da und studierten, sondern waren auch gezwungen, im Kloster oder Haus körperlich zu arbeiten oder lange Wege zu gehen - natürlich zu Fuß.

Die Nahrung war also sehr reichhaltig - dabei aber ausgesprochen abwechslungsreich. Verständlich, dass es zur Erntezeit „satt“ zu essen gab. Für den Winter wurde durch Trocknen, in Salz einlegen, Räuchern, auch Einmieten versucht, die Nahrungsmittel zu erhalten.

Noch eine andere Besonderheit war wichtig für das Essen: Mindestens ein Drittel des Jahres war zu Fastentagen erklärt. Nun bedeutete „Fasten“ nicht wie heute, dass man die Nahrungsmenge reduziert, sondern dass es verboten war, Fleisch oder Fleischprodukte zu essen. Die Küchen richteten sich darauf ein und kochten einmal für die Fastentage und dann für die Fleischtage. Dass Fisch nicht zum Fleisch zählte, ist eine Besonderheit, die bis heute in einigen Teilen Deutschlands bekannt ist: Freitags wird kein Fleisch, sondern Fisch gegessen.

Durch diese „doppelte“ Küche wurde das Essen natürlich abwechslungsreich und gesund. Und durch Verwendung von Öl, vielen Kräutern und Gemüse mutet es ausgesprochen modern an und wird von einigen Autoren auch als „mediterran“ bezeichnet.

Aber was wurde nun konkret gegessen? In erster Linie vor allem Brot. Aus Hirse und Brotresten wurde ein Brei hergestellt, der sehr abwechslungsreich gewürzt wurde, vor allem sehr scharf. Zu dieser „Sättigungsbeilage“ gab es saisonbedingtes Gemüse oder Obst, sonst eingelegte, geräucherte oder irgendwie haltbar gemachte Nahrungsmittel.

Luther hat übrigens nie mit einer Gabel gegessen. Sie galt – wohl wegen der Zinken – als teuflisch. Vorwiegend wurde mit dem Löffel gegessen, bei ärmeren Familien auch nur mit den Fingern. Wohl um keinen in Verlegenheit zu bringen, hatte Luther einen „Reiselöffel“ für den Fall, dass ein Löffel fehlte. Größere Essensstücke, vor allem Fleisch, wurde mit dem Messer zerkleinert.

Bei Grabungen hat man eine alte Abfallgrube der Familie Luther freigelegt, in der auch Spuren von den verarbeiteten Früchten entdeckt wurden. Erstaunlich, dass bei Luthers offenbar sehr reichlich Melonen gegessen wurden, die im eigenen Garten gezogen wurden. Pastinaken gab es ebenfalls nicht zu knapp - eine Wurzel, die inzwischen auch wieder unsere Küche erobert.

Vermutlich waren Milch und Wasser die häufigsten Getränke nicht nur für Kinder (Luther legte großen Wert darauf, dass Kinder bis zu neun Jahren weder Bier noch Wein trinken durften). Da in vielen Häusern Bier gebraut werden durfte, war wohl Bier das allgemein gebräuchliche Getränk. Bei der Familie Luther wurden offenbar jährlich mindestens 4500 Liter Bier gebraut. Diese Hausbiere waren „Leichtbiere“. Ein von Luther und seinen Zeitgenossen sehr geschätztes Bier war das „Ainpöckisch“ Bier (Einbecker), das wesentlich stärker gebraut war. „Der beste Trank, den einer kennt, wird ainpöckisch Bier genennt“, lobte Luther - natürlich bis heute gerne von den Einbecker Bierbrauern als Werbeslogan gebraucht.

Auch Wein spielte eine große Rolle. Oft bekam Luther kleine und große Fässer Wein geschenkt. Er war Feinschmecker – gepanschten oder verdorbenen Wein hat er nicht getrunken. Er selber hatte auch mindestens einen Weinberg mit 600 Weinstöcken – vermutlich sogar noch mehr.

Wichtig zu wissen ist, dass Luthers Frau, Katharina von Bora, sowohl für das Essen in der Küche als auch für die Getränke – sie braute Bier und stellte den Wein her – verantwortlich war. Eine „Kleinigkeit“, die man gerne vergisst.

von Hartmut Schwartz

Foto: couchblogger, Flickr Creative commons, Ausschnitt

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