Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 28. Nov. 2017 18:43 Uhr

„Schlage die Rubrik Weihnachtslieder auf: Welche Weihnachtslieder kommen dir bekannt vor?“ „Wo wird heute überall gesungen?“ „Suche das Lied unter der Nummer 361. Die Anfangsworte der einzelnen Strophen ergeben einen Satz. Schreibe ihn auf!“ „Wo findest du das Glaubensbekenntnis?“ „Welche Themengebiete, denen die Lieder zugeordnet sind, findest du besonders interessant?“ „Was entdeckst du noch außer Liedern im Gesangbuch? Nenne drei Beispiele.“

Konfirmandenunterricht. Thema: Einführung in das Gesangbuch. Die Konfis gehen von Tischgruppe zu Tischgruppe und beschäftigen sich unter Anleitung der Teamer mit dem Evangelischen Gesangbuch.

Im Gegensatz zu einem Liederbuch ist ein Gesangbuch einer bestimmten Gruppe zugeordnet. So ist das Evangelische Gesangbuch (EG) verbreitet in der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Österreich und Luxemburg. Die einzelnen Landeskirchen unterscheiden sich durch unterschiedliche Regionalteile und unterschiedliches Layout. Grundsätzlich aber gilt: Wer sich einmal mit dem Evangelischen Gesangbuch vertraut gemacht hat, kennt sich überall damit aus. Egal, ob in München, Hamburg oder in Nordhorn.

Gemeindegesang im Gottesdienst ist ein Ergebnis der Reformation. Luther sorgte durch seine Lieder - am bekanntesten ist sicherlich „Vom Himmel hoch“ und „Ein feste Burg ist unser Gott“ - für die Verbreitung des reformatorischen Gedankengutes. Evangelische Gemeinde und gemeinsamer Gottesdienstgesang gehören seit jeher zusammen. Vorher war das Singen den Klerikern vorbehalten und Gesänge auf Latein waren in Klöstern und bei Messfeiern zu hören.  Die Reformation als „Gesangsbewegung“ demokratisierte das Singen und schon schnell im Jahr 1524 entstand ein Gesangbuch mit volkstümlichen Liedern, das Achtliederbuch und das Geistliche Chorgesangbüchlein. Vorläufer war eine bereits 1501 bei den Böhmischen Brüdern herausgegebene Sammlung von Gemeindegesängen.

Wer das heutige, 1994 herausgegebene Gesangbuch in den Händen hält, hält gleichzeitig die jahrhundertalte geistliche Tradition in den Händen. Denn die Texte und Melodien singen und erzählen vom Glauben unserer Vorfahren in allen Lebenssituationen. Die über 500 Lieder mit insgesamt fast 3000 Strophen sind einerseits den Kirchenjahreszeiten zugeordnet und andererseits verschiedenen Themengebieten wie Loben und Danken, Umkehr und Nachfolge oder Nächsten- und Feindesliebe. Wussten Sie, dass das strophenreichste Lied von Paul Gerhardt ist? Schauen Sie mal nach unter der Nummer 324! Über einigen Titeln ist ein kleines „ö“ zu finden. Diese Lieder finden sich auch im katholischen Gesangbuch, dem Gotteslob. Dass die Reformation auch eine Bildungsbewegung war, wird heute noch deutlich: So sind neben den Gesängen und Liedern auch verschiedene Bekenntnisse, der kleine Katechismus, Informationen über Lichterdichter, Epochen des Kirchenliedes und Ordnungen von Andachten und Gottesdiensten zu finden. Nicht zu vergessen die Gebete und die Psalmen!

Nehmen Sie sich mal Zeit für das Gesangbuch! Sie halten damit einen wahren Schatz in den Händen!

von Christa Olearius

Foto: Lotz

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