Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 22. Mai. 2018 17:18 Uhr

Es war im Jahre 687, da schickte der Bischof Wilfried von York in England zwölf Apostel über den Ärmelkanal, um die Christenlehre auch in Friesland und Sachsen zu verbreiten. Man nannte sie die englischen Friesen oder Sachsen. In Begleitung des angelsächsischen Missionars Willibrord war Werenfriedus, der in der Niedergrafschaft lehrte und durch den das große Kirchspiel (Pfarrbezirk) Uelsen entstand.

Suibertus und Marcellin legten den Grund zum bedeutenden Bistum Utrecht. Die Niedergrafschaft gehörte zu diesem Bistum. Ein Utrechter Missionspriester mit Namen Liudger wurde Bischof von Münster und gründete die Kirchen von Ohne und Schüttorf.

Um 800 wurde die Nordhorner Siedlung dem Bistum Münster zugeordnet. Der heilige Liudger wurde von der Nordhorner Kirche zu ihrem Schutzpatron erwählt.

Anfangs gab es wohl schlichte, hölzerne Kapellen, in denen ein Wanderprediger, dann ein ausgebildeter Geistlicher seinen festen Platz hatte. Dessen Sprengel war groß und erst im Laufe des Jahrhunderts zweigten sich Tochterkirchen u. a. Wietmarschen und Brandlecht von Nordhorn ab.

Die zwölf Apostel hatten zwar den ersten Samen christlicher Lehre nach Friesland und Sachsen gebracht, jedoch überwog immer noch der alte Glaube. Die Gegner der neuen Lehre versammelten sich noch oft in Mondscheinnächten beim alten Heiligtum der Tamfana im Bentheimer Wald und Priester sprachen Zauberformeln, um Naturgewalten zu bändigen und um Regen zu bitten. Auf dem Spöllberg in Gölenkamp feierten sie mit Feuer und Tanz die Sommersonnenwende. Die fremden Priester versuchten, ihnen den Übergang zur neuen Lehre leicht zu machen, indem sie von der Göttin Freya die Gedanken zur Gottesmutter Maria leiteten, die heiligen Nächte in den Tagen der Wintersonnenwende deuteten sie auf das Himmelslicht in Bethlehem. Letztendlich verhalf Karl der Große zum Sieg des Christentums.

Im Jahre 769, nach dem Tode von Pippin, König der Franken, kam Karl der Große auf den Thron und versuchte unter dem Vorwand, die Sachsen zum Christentum bekehren zu wollen, sein Gebiet bis an die Elbe auszubreiten.

Die Sachsen wehrten sich und es wurden viele Schlachten zwischen den Franken und Sachsen ausgetragen. Schließlich kam Friede nach einem dreiunddreißigjährigen Krieg zu folgenden Bedingungen zustande: Die Sachsen ließen sich die Bedingungen von Karl gefallen, nämlich den christlichen Gottesdienst einzuführen, Karl den Großen als ihr Oberhaupt anzuerkennen und diejenigen, die er an seiner Stelle zu ihnen senden würde, mit Achtung zu begegnen - insbesondere den Bischöfen und Grafen. Ihnen sollten sie als ihrer geistlichen und weltlichen Oberhoheit gehorsam sein und ihnen das bezahlen, was ihnen von den Franken auch gegeben wurde.

So wurde das Christentum am Ende des siebten Jahrhunderts in unseren Gebieten gepredigt, jedoch wurde es erst hundert Jahre später auf höheren Befehl eingeführt.

Karl der Große kündigte all denen die Todesstrafe an, die sich nach dem geschlossenen Frieden weigern würden, sich taufen zu lassen. Diese Strafe sollten sie auch bekommen, wenn sie in der Fastenzeit Fleisch aßen oder die Körper ihrer gestorbenen Blutsverwandten verbrannten.

Dennoch wurde an den heidnischen Götterdienstbräuchen festgehalten. Daraufhin richtete Karl der Große heimlich die sog. „Femgerichte“ ein, die aus dem Grafen oder seinem Stellvertreter als Vorsitzenden und aus einigen Schöffen bestanden und alle verborgenen Missetaten wie Abfall vom christlichen Glauben, Kirchenraub, Missachtung des Fastens usw. dem Vorsitzenden melden mussten. Der Beschuldigte wurde daraufhin vorgeladen und zur Verantwortung gezogen, indem er zum Tode verurteilt und gehängt wurde. Konnte er seine Unschuld beweisen, so wurde er freigesprochen. Erschien er nicht vor Gericht, dann wurde er für ehrlos erklärt.

Dieses heimliche Gericht hatte bei den Westfalen eine kräftige Wirkung, denn sie fanden häufig ihre Bekannten erhängt vor und bekamen als Antwort auf die Frage, weshalb sie erhängt wurden, dass diese ihren Glauben verläugnet hätten. Diese Rechtsprechung bewog sie, zumindest äußerlich, dem Christentum treu zu bleiben.

Aus all dem geht hervor, dass mit der eigentlichen Einführung des Christentums ab 800 oder 804 gerechnet werden muss.

von Larissa Schulte

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