Veröffentlicht von Doris Hüls am Mi., 22. Aug. 2018 09:18 Uhr

Entstehungsgeschichte

Glauben bezeichnet eine Grundhaltung des Vertrauens. Die ersten Christen waren Menschen, die Jesus Christus begegnet sind. Die gehört haben, wie er von Gott, seinem Vater gesprochen hat. Sie haben erlebt, wie Jesus Menschen geheilt hat, wie er sich Armen und Ausgestoßenen zugewandt hat. Die ersten Jünger vertrauten sich ihm mit ihrer ganzen Existenz an und erlebten, wie er ihr Leben grundsätzlich veränderte. In Jesus begegnete ihnen der Gott, an den sie glaubten, plötzlich auf Augenhöhe. Aber sie erlebten auch Zweifel und Anfechtungen. Allem zum Trotz vertrauten sie weiter, auch als Jesus vor ihren Augen getötet wurde. Durch seine Auferstehung erfuhren sie, dass sie nun selbst Anteil haben dürfen an einem Leben in Gottes Gegenwart. Der Tod hat für Christen nicht mehr das letzte Wort, sondern ist das Tor zum ewigen Leben, wie wir es auch am Eingang unseres Friedhofs am Deegfelder Weg lesen können.

Dass auch wir heute noch als Christen leben und glauben können, selbst unser Vertrauen in Gott setzen, der uns als Vater, Sohn und Heiliger Geist immer wieder neu begegnen will, verdanken wir diesen ersten Christen, die ihre Erlebnisse nicht für sich behalten, sondern weiter erzählt und aufgeschrieben haben (Bibel), die Gemeinden gegründet und sich so dafür eingesetzt haben, dass die Botschaft in die Welt getragen wurde.

Heute noch aktuell

Für Christen heute ist die Bibel nicht nur historische Grundlage christlichen Glaubens, sondern man entdeckt in den Geschichten der Bibel plötzlich die eigenen Lebenssituationen und Fragen wieder. Da stehen z. B. Berichte von Menschen drin, die krank waren und nicht wussten, wie sie damit fertig werden sollten. Freunde fanden eine kreative Lösung, damit ein gelähmter Bettlägriger am Gottesdienst teilhaben konnte. Sie haben ihn einfach durch das Dach des Hauses herunter gelassen, damit er auch hören konnte, was Jesus predigte. Und so kam wieder ganz neue Lebenskraft in ihn (Lk 5, 17-26). Die Bibel bekommt für den christlichen Glauben heute noch einmal einen neuen Stellenwert, wenn man zusammen mit anderen in ihr liest und auf Entdeckungsreise geht. Sie ist nicht mehr nur ein Geschichtenbuch, das von früher erzählt, sondern Erfahrungsschatz derer, die vor uns gelebt und geglaubt haben. Und sie lädt uns ein, die wir nun zweitausend Jahre später darin lesen, zu überlegen, wie sich die Geschichte von dem gelähmten Kranken heute bei uns zutragen könnte. Unsere kranken Freunde können heute am Sonntagmorgen im Bett einen Gottesdienst im Fernsehen sehen. Aber das ist nur eine Möglichkeit, an tröstenden und heilenden Worten teil haben zu können. Wäre die kreative Lösung in Anlehnung an die biblische Geschichte heute vielleicht, dass wir Freunde des Kranken, die wir hier in Nordhorn im Gottesdienst unserer Gemeinde waren, im Anschluss an den Gottesdienst mit drei oder vier Leuten einen Krankenbesuch machen und jeder lebendig erzählen kann, was er von der Predigt mitgenommen hat, wie die Stimmung war, wen wir getroffen haben und von wem wir grüßen sollen ... und vielleicht gibt uns ja die Pastorin oder der Pastor einen kleinen geschriebenen Gruß oder ein Symbol für den Kranken mit - nur eine von mehreren „Übersetzungsmöglichkeiten“ dieser biblischen Geschichte. Gott, so meine Erfahrung, ist immer für uns da und bereit sich uns zuzuwenden. Er sucht die Beziehung zu einem jeden Menschen.

Zukünftig denkbar

Christlicher Glaube hat also etwas mit den Erfahrungen der Menschen zu tun, die sie mit Gott machen und mit anderen teilen. Menschen haben bislang durch alle Zeiten einen Gott erlebt, der sich ihnen ganz persönlich zuwendet und offenbart. In der Schöpfung, in allem, was er für uns gemacht hat: in Bäumen, Blumen, der Erde, auf der wir leben. Aber eben auch, indem er uns Christen in Jesus, seinem Sohn, ganz menschlich begegnet - auf Augenhöhe. Ein Gott, der mit uns unterwegs ist; der selbst als Mensch gelebt, geliebt und gelitten hat und uns vorgelebt hat, wie wir miteinander umgehen können. Und ein Gott, dessen Kraft in uns wohnt; der Heilige Geist, und uns antreiben will. Ein Gott für uns, mit uns und in uns ist für mich eine tragende Beziehung, der ich gern glauben will und mich anvertraue. Und wenn jeder von seinen Gotteserfahrungen im Alltag weitererzählt und sich anfragen lässt, dann kann auch die kommende Generation prüfen, übersetzen, Vertrauen wagen und christlicher Glaube zukünftig erlebbar sein.

von Sr. Carola

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