Veröffentlicht von Doris Hüls am Mi., 21. Nov. 2018 11:48 Uhr

Mit diesen Worten begrüßten wir so einige Male die zahlreichen Gemeinden, die wir auf unserer Reise kennenlernen durften. Und jedes Mal wurde dieser Ausruf mit einem lauten und freudigen „Amen!“ erwidert – ganz gleich, wie sehr die Geduld der Tansanier, die teilweise schier endlos erscheint, auf die Probe gestellt wurde, weil wir nach einer abenteuerlichen Fahrt querfeldein über Stock und Stein und durch ausgetrocknete Flussbetten mit unserem Land Cruiser mal wieder mit einiger Verspätung eintrafen. Eines habe ich auf der Delegationsreise auf jeden Fall gelernt: „Die Europäer haben die Uhr – die Tansanier haben die Zeit.“ Wie viel Wahrheit in diesem tansanischen Sprichwort steckt, konnten wir Tag für Tag aufs Neue erleben. Das ist zunächst ganz ungewohnt gewesen – die Entschleunigung, das Innehalten, Durchatmen und Zurückblicken ist jedoch eine der wertvollsten  Erfahrungen, die ich für mich persönlich von dieser Reise mitgenommen habe. Daneben blicke ich dankbar zurück auf viele einmalige Erlebnisse und die damit verbundenen schönen Erinnerungen. Durch die unzähligen tollen Bilder, in denen unser Mitreisender Daniel uns dankenswerterweise diese Momente festgehalten hat, können wir auch zurück in der Heimat ein bisschen afrikanische Lebensart in unseren Alltag zaubern und unsere Eindrücke mit den vielen interessierten Menschen hier teilen.

Bei der Durchsicht dieser Bilder fällt mir immer wieder auf, was für eine Vielfalt die tansanische Landschaft bietet. Die Idee von trockener Erde, auf der nur mit viel Mühe etwas Fruchtbares gedeiht, wurde während der Reise vielfach revidiert – letztendlich nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass wir auf unserer Route vom Kilimanjaro im Norden bis nach Bagamoyo am Indischen Ozean im Osten so einige Kilometer hinter uns gebracht haben. Wenngleich diese Fahrten den ein oder anderen Rücken doch recht stark strapaziert haben, so haben sie uns auch als Gruppe zusammengeschweißt. Die Gemeinschaft, die wir miteinander erleben konnten, ist ein weiterer wertvoller Aspekt, den ich von der Reise mitnehme. Dieses Gefühl der Verbundenheit konnten wir jedoch auch außerhalb unserer Reisegruppe verspüren. Die Herzlichkeit unser tansanischen Partner war allgegenwertig und ihre Fürsorge groß. Überall wurden wir mit offenen Armen und reich gedecktem Tisch empfangen – eindrucksvoll, wie es die Menschen dort schaffen, mit wenigen Mitteln ihre große Gastfreundschaft zu demonstrieren. Diesbezüglich wird mir insbesondere der Empfang in der kleinen Gemeinde in Bethania wahrscheinlich mein Leben lang im Gedächtnis bleiben – so begrüßten uns die Gemeindeglieder durch Tanz und Gesang bereits, bevor wir überhaupt aus dem Wagen steigen konnten. Ihre Freude über unseren Besuch war so stark spürbar, ein faszinierender Augenblick.

Dass das Gemeindeleben leider nicht überall gleichermaßen aktiv gelebt wird, mussten wir hingegen auch erfahren. Die Partnergemeinde der Christus- und Kreuzkirchengemeinde Nordhorn in Masawi, in der für mich ursprünglich ein mehrtägiger Aufenthalt geplant war, konnte mich leider nicht empfangen. Ohne Pastor oder Evangelisten vor Ort hat diese Gemeinde momentan kaum eine Chance, ihren Glauben in der Gemeinschaft zu leben und beispielsweise Gottesdienst zu feiern. Die Ursachen und Gründe dafür sind vielschichtig und komplex, sodass die derzeitige Situation in Zukunft noch auf beiden Seiten für Kopfzerbrechen sorgen wird. Districtpastor Olinde ist sich jedoch der Problematik bewusst und hat uns den Eindruck vermittelt, kompetent, tatkräftig sowie mit der notwendigen Weitsicht an einer Lösung zu arbeiten, sodass wir hoffen, dass auch diese Gemeinde in Zukunft wieder aufleben kann, wenn die entsprechenden Voraussetzungen dafür eingerichtet werden können.

Als Lehrerin am Evangelischen Gymnasium Nordhorn war es für mich zudem ein wichtiges Anliegen, unsere Partnerschule, die EmBeKo Secondary School in Kondoa, zu besuchen. Ich war gespannt darauf, zu erfahren, wie die Schüler hier lernen und leben und natürlich auch die Arbeit und die Situation der Lehrkräfte dort interessiert mich sehr. Vor Ort war ich sehr erfreut darüber, zu sehen, dass die Spendengelder, welche im Rahmen eines „Sozialen Tages“ 2016 gesammelt werden konnten, sehr sinnvoll in die Fertigstellung eines Mädchenschlaftraktes sowie die Errichtung eines Laborgebäudes für den naturwissenschaftlichen Unterricht investiert wurden. Diese Räumlichkeiten stellen sicher, dass in Zukunft weiterhin zentrale Prüfungen an der EmBeKo-Schule durchgeführt und abgelegt werden können, eine Auflage, welche seit Frühjahr 2017 verstärkt eingefordert und deren Existenz überprüft wird. Der eine der beiden Laborräume ist durch Spendengelder bereits komplett finanziert und ich habe mich sehr darüber gefreut, diesen als einer der ersten Gäste aus Deutschland betreten zu können – wenngleich noch ein wenig Phantasie nötig war, um sich vorzustellen, wie dort in Zukunft viele Mädchen und Jungen Experimente planen, durchführen und auswerten werden – Kompetenzen, die den Grundstein für ein Studium der Naturwissenschaften legen und auf diese Weise den Absolventinnen und Absolventen der EmBeKo Secondary School eine attraktive Zukunftsperspektive ermöglichen. Nicht zuletzt die Neugier darauf, wie das Labor nach Fertigstellung wohl einmal aussehen wird und der Gedanke daran, dort eventuell selbst einmal die gewohnte Rolle der Lehrkraft ein wenig anders auszuleben, sind für mich Gründe, aus denen heraus ich entschieden sagen kann: „Kwa heri Tanzania!“ – Auf Wiedersehen, Tansania!

von Franziska Hüring

Kategorien Gemeindeleben