Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 20. Aug. 2019 12:08 Uhr

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.



Was ist das ?



Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was Not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt;



und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit; ohne all mein Verdienst und Würdigkeit:



Für all das ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewisslich wahr.

In jedem unserer Gottesdienste wird das Glaubensbekenntnis gesprochen. Im Konfirmandenunterricht mussten einige sogar noch die Erklärungen dazu aus Luthers Kleinem Katechismus auswendig lernen und wurden in einer Konfirmandenprüfung vor der Konfirmation dazu befragt.

In dieser Brücke soll es um einen kurzen Blick auf diesen ausgesprochen schönen und reichhaltigen Textabschnitt gehen.

Für Luther beschreibt das „Ich glaube” eine persönliche Beziehung zwischen dem Glaubenden und Gott. „Glauben meint so viel wie “Vertrauen” und ist vergleichbar mit einer Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich ohne jeden Beweis aufeinander verlassen können. Diese persönliche Beziehung kann Luther sogar in einem Spitzensatz wie „An Christus glauben heißt: ihn anziehen, mit ihm eins werden.” eindrucksvoll zusammenfassen.

Der Glaube an den Schöpfer hat für Luther ganz unmittelbar mit dem eigenen Leben zu tun.

Man prüfe nur einmal für sich selbst, wie gut man schmecken, sehen, riechen und hören kann. Man blicke auf die angehäuften Güter, die einem das Leben erleichtern, und man denke an die Mahlzeiten und die Kaltgetränke, die man bereits heute zu sich genommen hat. In der Tat dürften die meisten von uns doch reichlich und vollumfänglich versorgt sein. Der Reformator ermutigt uns aber durch seine Worte auch dazu, uns selber als Geschöpfe Gottes wahrzunehmen.  So ist auch unser Körper ein kostbares Geschenk und wir sollen Obacht darauf haben, mit welchen Dingen wir ihn denn befüllen. Ebenso ist es mit der Vernunft, die nicht vom Himmel gefallen ist, sondern eine Gabe, die es einzusetzen gilt, insbesondere wenn es in unserer Welt immer komplexer und auch fragwürdiger zugeht.

Gott der Schöpfer ist in jedem Fall kein ferner Gott, sondern er ist auch in diesem Augenblick in meinem Leben unablässig am Werk. Gott beschenkt uns jeden Tag neu und wir dürfen reichlich ernten, wie wir es ja schon häufig genug getan haben. Die Antwort des Menschen darauf kann eigentlich nur sein, Gott zu danken, zu loben und mich zum Werkzeug seines Friedens ausstatten zu lassen.

„Das ist gewisslich wahr.” So übersetzt Luther das abschließende „Amen” in die deutsche Sprache. Auf diesem Glauben, den ich frei und fröhlich und ohne Angst bekennen möge, ruht mein Leben. Alles ist Geschenk und wenn ich die Erklärung noch einmal Wort für Wort lese und für mich aufnehme, werde ich Gottes Wirklichkeit in meinem Leben entdecken. An jedem neuen Tag ein Stückchen mehr. Hoffentlich!

von Thomas Kersten

Kategorien Themenschwerpunkt