Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 20. Aug. 2019 12:14 Uhr

Es ist inzwischen schon einige Jahre her. An diesem Tag war ich im sozialen Netzwerk „facebook“ unterwegs. Ich las Beiträge und Kommentare von Freunden, Bekannten und Fremden und ich merkte, wie meine eigene Laune immer schlechter wurde. Und ich fragte mich, woran das liegen könnte. Mir fiel auf, dass ich an diesem Tag fast ausschließlich verärgerte, böse oder zynische Beiträge von anderen gelesen hatte. Sie regten sich zu Recht oder zu Unrecht über die verschiedensten Dinge auf der Welt und in ihrem Umfeld auf.

Eine kleine Notiz aber hob sich wohltuend davon ab. Ein Bekannter hatte schlicht und einfach ein paar Dinge gesammelt, über die er sich gerade freute. Es war gar nichts Besonderes, aber als ich diesen kleinen Beitrag las, ging mein Herz auf. Und in einem dieser hellen Momente, die man manchmal im Leben hat und in denen einem plötzlich etwas Wichtiges im Leben aufgeht, sagte ich mir: Ich möchte jemand sein, der nicht Ärgerliches und Beklagenswertes im Leben sammelt und teilt, sondern Schönes, Gutes und Segensreiches.

Und so habe ich an diesem Tag angefangen, mir zunächst einmal „Vier gute Dinge“ zu überlegen und diese für mich und andere aufzuschreiben. Vier Dinge, so dachte ich, bekomme ich hin. Diese vier Dinge kamen mir in den Sinn:

[1] Ein neues Detail in einer altbekannten biblischen Geschichte entdecken.
[2] Ein liebevolles Kompliment von der eigenen Mutter bekommen.
[3] Die erwartungsvolle Stille am Morgen.
[4] Vorfreude auf die Bundesliga-Live-Konferenz.

Ich weiß gar nicht mehr, ob ich damals schon geplant hatte, dies regelmäßig zu tun. Aber so kam es. Ein paar Tage später habe ich wieder überlegt (und an diesem Tag fielen mir offenbar nur drei Dinge ein):

[1] Ein Doppelkopf-Abend mit Freunden.
[2] Die Luft nach dem Regen.
[3] Aus Gemüse Tiere und Monster schnitzen für die Kinder.
[4] Es auch mal bei drei guten Dingen belassen können, wenn einem nix Viertes mehr einfällt.

Und so ging es weiter. In den ersten Wochen musste ich meistens länger überlegen, bis ich auf vier gute Dinge kam, für die ich dankbar sein könnte. Aber schon bald änderte sich das. Ich merkte: Es fällt mir immer leichter, vier gute Dinge zu finden. Oft hatte ich sogar mehr als vier!

Es war sogar so, dass mir im Alltag ständig immer mehr Dinge auffielen, die gut waren und die ich irgendwann in meine Liste aufnehmen könnte. Und schließlich merkte ich: So langsam färbt diese Dankbarkeits-Übung auf mich und meinen Charakter ab.

Denn das Schöne ist ja: Routinen, die wir uns vornehmen; Praktiken, die wir einüben; Rituale, die wir zum Teil unseres Lebens machen, prägen uns und unsere Persönlichkeit. Dankbarkeit lässt sich tatsächlich einüben. Und es braucht nicht viel. Mit vier guten Dingen kann es beginnen.

von Simon de Vries

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