Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 3. Dez. 2019 11:36 Uhr

Sonntag kurz vor dem Gottesdienst. Gedämmtes Licht. Zwiegespräche hier und dort in den Bänken. Die Kirchenvorsteher auf dem Weg in die Sakristei zum Gebet. Ein Täufling schreit; wahrscheinlich vor Hunger. Die Konfis in den ersten beiden Reihen freuen sich, einander zu sehen, obwohl die heute gebräuchliche Gottesdienstform nicht ganz so ihr Ding ist. Heilige Unruhe. Gleich geht es los. Unsere Küsterin Ute Sawitzki betätigt das Tablet, mit welchem sich das Licht in der Kreuzkirche mit einem leichten Fingerdruck steuern lässt. Schalter gibt es im Innenraum der Kirche nämlich nicht mehr. Die Dämmerung weicht ganz langsam und es wird hell. Taghell. Ohne ein Wort des Pastors wird es beinahe ganz still und insbesondere die Familien, die nach der Taufe erst einmal für lange Zeit nicht in die Kirche zurückkehren werden, blicken erstaunt nach oben und nach links und nach rechts. Das Licht lässt aufmerksam werden und verfehlt seine Wirkung nicht. Auch vor Beginn der Taufe wird es noch einmal ganz anders. Die Verwandlung des Innenraumes ist greifbar. Durch eine Lichtleiste hinter dem Altar wird dieser Bereich in ein kräftiges Blau gehüllt. Einige Gottesdienstbesucher beginnen bereits vom nächsten Urlaub am Mittelmeer zu träumen. Die Oberlichter werden weiter zurückgefahren und der Taufstein im Zentrum der Kirche erscheint in einem anderen und nun noch wärmeren Licht. Das Licht führt Regie und die Augen der Gemeinde wandern.

Bei der Renovierung und Sanierung der Kreuzkirche vor fünf Jahren hat sich der Bauausschuss ganz intensiv mit einem nachhaltigen Lichtkonzept für die Kreuzkirche beschäftigt. Lichtplaner vor Ort und intensives Ausprobieren und Testen verschiedener Lichtquellen und Leuchtmittel setzten sich zu einer konkreten Idee zusammen. Die massiven Leuchtkörper, die nahezu unverbunden aus der Decke baumelten, sollten wieder verschwinden. Kanzel (Wort), Taufstein und Altar (Sakrament) sollten lichttechnisch besonders bedacht werden.


Und warum so aufwendig und auch recht kostspielig? Weil Schwingungen des Lichts wie das Auf und Ab unseres menschlichen Lebens sind und mich mit anderen und mit Gott in Beziehung setzen. Gott selber schafft das Licht als Kontrast zur Finsternis und im Johannesevangelium wird Christus als das Licht der Welt dargestellt. Wer Jesus Christus annimmt, ihm nachfolgt, wandelt im Licht. Die Antwort auf die Frage „Was ist Licht ?” liegt also auf der Ebene des Bekennens und die Kreuzkirche als Ort des Bekenntnisses ist besonders dafür geeignet, dass uns dieses Licht immer wieder neu aufgeht. Schauen Sie doch einfach mal rein und stimmen Sie ein in das Lob Gottes, welches alle Finsternis vertreibt.

von Thomas Kersten

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