Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 25. Feb. 2020 17:11 Uhr

- Über Schöpfung und Schöpfungsverantwortung -

Im Zusammenhang mit dem Begriff „Schöpfung“ fällt häufig auch das Wort „Schöpfungsverantwortung“. Was hat es damit auf sich und warum ist es heute ein hochaktuelles Wort?

Der evangelische Theologe Jürgen Moltmann sagt, Gott wohne in seiner Schöpfung. Anteilnehmend und mitfühlend sei er unter uns. Gott stehe in einer lebendigen Beziehung zu seinen Geschöpfen. Darum können wir ihn – formuliert in Worten der ökologischen Wissenschaft – in der belebten und unbelebten Natur finden. Und der Philosoph und Theologe Georg Kraus definiert in seinem Buch „Welt und Mensch“: „Schöpfung ist ein religiöser [und kein naturwissenschaftlicher] Begriff, der die Herkunft alles Wirklichen aus einem göttlichen Urgrund bezeichnet.“ An anderer Stelle heißt es bei ihm, der Mensch in seiner Wirklichkeit lebe in der Welt als seiner Wohn- und Wirkungsstätte. Auch die Ökologie beschreibe unsere Umwelt als ein Haus. So befasse sich die Wissenschaft gewissermaßen mit den Haushaltsregeln der Natur. Die Ökologie beschäftige sich mit dem System des Lebens, das durch die Vernetzung der Lebewesen untereinander und mit der Umwelt ein Gleichgewicht im Werden, Bestehen und Vergehen aufrechterhalte. Menschsein sei „vernetzt sein“ mit der Welt und „angewiesen sein“ auf die Welt.

In der Schöpfungserzählung (1. Mose 1,28) heißt es: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über [die Tiere] …“ Dieser vermeintliche Herrschaftsauftrag wird heute als Auftrag zu einer guten Haushalterschaft über die Erde verstanden. Für den Theologen Heino Falcke ist der Mensch „Geschöpf unter Mitgeschöpfen“. Er nutzt und erhält die von Gott eingerichtete Wohnung. So heißt es auch in der zweiten Schöpfungserzählung in 1. Mose 2,15: „Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.“ Der Mensch trägt also Verantwortung für den Erhalt von Gottes guter Schöpfung.

Die in der Vergangenheit geführte Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der Evolutionstheorie (Lehre von der Herkunft der Arten) und den Menschen, die ausschließlich dem Schöpfungsglauben anhingen, ist eigentlich seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts überholt. Glauben und naturwissenschaftliches Denken schließen sich danach nicht gegenseitig aus. Das Problem der weltweiten ökologischen Krise (Klimawandel, Artensterben, Verbrauch unserer Ressourcen) bringt Schöpfungsglaube mit Naturwissenschaft und Technik in gemeinsamer Verantwortung für die Zukunft der künftigen Generationen zusammen.

Der angsterfüllten Frage „Hat die Welt, in der wir leben, eigentlich noch Bestand und Zukunft?“ steht die jüdisch-christliche Gewissheit der Fürsorge Gottes gegenüber.
Mit der biblisch begründeten Hoffnung auf ein Fortbestehen der Schöpfung können wir gestärkt zusammen mit Wissenschaft und Technik unsere Verantwortung für die Schöpfung in konkretem Handeln wahrnehmen.

Die vom Menschen anzunehmende Schöpfungsverantwortung führt heute zu einer Forderung nach einem Umsteuern in unserer Gesellschaft. Eine intelligentere nachhaltigere Wirtschaftsweise ist anzustreben. Allerdings setzt dies einen Wandel der menschlichen Einstellungen zum Konsum und zur Lebensweise voraus. Mit Heino Falcke kann man heute immer deutlicher feststellen, dass die Zukunft kommender Generationen davon abhängt, ob unsere Generation zu einer Selbstbegrenzung aus Freiheit findet – unser Staat und unsere Gesellschaft werden uns hoffentlich dabei unterstützen.

von Ulrich Meyer-Spethmann


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