Veröffentlicht von Doris Hüls am Di., 25. Feb. 2020 17:31 Uhr

Seit geraumer Zeit hören wir von dem Problem der bedrohten Artenvielfalt. Immer mehr Tiere und Pflanzen stehen auf den behördlich festgestellten Roten Listen für gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Arten in Niedersachsen oder in Deutschland. Nur wenige konnten in den letzten Jahren wieder aus den Listen herausgenommen werden, da sich ihre Vorkommen dank großer Anstrengungen wieder stabilisiert hatten. Manchmal hören wir auch von einzelnen Lebewesen, dass sie nun ausgestorben seien. Prominente Beispiele sind im weltweiten Rahmen der australische Beutelwolf und im Bundesland Niedersachsen das Ackerunkraut, die Kornrade. Und das kann man sogar noch weiter ins Lokale runterbrechen: in Nordhorn ist zwischen den Jahren 2007 und 2009 das deutschlandweit besonders geschützte Froschkraut wohl endgültig verschwunden. Und doch müssen wir das Artensterben nicht hilflos mit ansehen. Es gibt viele gute Möglichkeiten, selbst bei uns zuhause oder auch in unserer Kirchengemeinde Pflanzen und Tieren das Überleben zu sichern. Und wer weiß schon, ob selbst die noch häufig bei uns vorkommenden Arten nicht in wenigen Jahren auch auf eine Rote Liste gesetzt werden müssen. Was können wir also beispielhaft tun?

Blumenwiese und Blühstreifen
Auf den Wiesen und Weiden am Stadtrand oder auch in den kurz geschorenen Rasen unserer Gärten finden sich immer weniger Blumen. Aber gerade sie bieten vielen Insekten Nahrung in Form von Nektar und Pollen. Der Wunsch, mit pflegearmen Steingärten sein Grundstück zu schmücken, überlässt den Tieren überhaupt keinen Lebensraum mehr. Und in Folge des Insektensterbens werden auch die Vögel weniger. Wir als lutherische Kirchengemeinden in Nordhorn möchten nun aber mit gutem Beispiel vorangehen. Auf dem Rasen neben der Kreuzkirche werden wir einen Blühstreifen anlegen. Mit Blumensamen von für unsere Region typischen Wiesenpflanzen wollen wir einen bunten Rasenteppich zaubern.

Wilde Ecken in unseren Gärten (Brachflächen)
Wussten Sie, dass gerade die Brennnessel die wichtigste Nahrungspflanze für viele Großschmetterlinge ist? Zugegeben, es ist für unseren Ordnungssinn nicht leicht, wenn wir in einer nicht intensiv gepflegten Ecke unseres Gartens Brennnessel und Co. einfach mal wachsen lassen. Viele Tiere und Pflanzen werden sich in so einer „wilden“ Ecke richtig wohl fühlen und die Artenvielfalt in unserem Garten bereichern.

Alte Gärten, alte Bäume
Zusammen mit Friedhöfen und Parks bilden strukturreiche Gärten wahre Inseln der Artenvielfalt in unseren Städten. Gerade Gehölze wie alte Obstbäume und über hundert Jahre alte Laubbäume bieten unzähligen kleinen Lebewesen wie Insekten-, Spinnen-, Moos- und Flechtenarten eine Heimstatt. Und auch größere Tiere finden sich auf und unter den Bäumen ein. Dazu zählen unsere bekannten Singvögel, die heimischen Eulen und Fledermäuse, aber auch Säugetiere wie Mäuse, Eichhörnchen, Marder und Igel. Aber auch hier gilt: Zu viel menschlicher Ordnungssinn sollte vermieden werden. Reisig- und Blätterhaufen, tote Äste und Gehölzstubben gehören zu einem wertvollen alten Garten dazu.   

Feuchte und trockene Lebensräume
Nicht nur das Alte kann in der Natur- und Kulturlandschaft nicht hoch genug eingeschätzt werden, auch die kleinen Refugien in unseren Ortschaften sind wertvoll für die Tier- und Pflanzenwelt. So bieten Trockenmauern und Felswände wärmeliebenden Tieren und Pflanzen wie der Zaun-Eidechse und dem Mauerfarn geeignete Lebensräume. In kleinen Wasserstellen vom Gartenteich bis zum Vorbau eines Kellerfensters können sich mitunter kleinste Wasserinsekten und Krebstiere oder auch größere Tiere wie Frösche und Molche einfinden.

Insektenhotels
In Insektenhotels finden Insekten jeglicher Art Platz zum Nisten und Überwintern. Sie sind ganz leicht aus Naturmaterialen wie Hartholz (keine Baumscheiben), Holzwolle, Stroh, Schilfrohr, Bambusstäben, Reisig, Torf und Lehm selbst zu bauen. Dabei sind einige Hinweise zu beachten: Die Löcher, zum Beispiel in den Holzblöcken, sollten nur 3 bis 7 mm Durchmesser, 8 bis 10 cm Tiefe und glatte Ränder haben. Beim Jugend- und Gemeindehaus der Kreuzkirche befindet sich ein Beispiel für ein Insektenhotel in „Entstehung“. Dieses wird durch Kinder- und Jugendgruppen von Zeit zu Zeit weiter befüllt und in die Holzklötze werden in zeitlichen Abständen neue Löcher gebohrt. Schauen Sie einmal vorbei und prüfen Sie, ob schon einzelne Bohrlöcher „verdeckelt“, also bewohnt sind.

Nistkästen für Vögel und Fledermäuse
Nistkästen dienen Tieren wie Vögeln (Höhlenbrüter, Nischenbrüter) und Fledermäusen zur Aufzucht ihrer Brut und Jungtiere sowie zu Übernachtungszwecken. In Forstwirtschaft und Obstanbau ist die Ansiedlung von insektenvertilgenden höhlen- und nischenbrütenden Singvögeln mit Nistkästen eine Maßnahme, um der Überhandnahme von Schädlingsraupen (zum Beispiel Eichenprozessionsspinnern) entgegenzuwirken und so den ökologisch problematischen Einsatz von Insektiziden zu vermeiden. Die Nistkästen können mit relativ geringem Aufwand selbst gebaut werden. Natur- und Umweltverbände bieten hierfür Bauhilfen oder auch Bausätze an. Aber auch in Baumärkten und im Landhandel können Nistkästen erworben werden.

Kein chemischer Dünger und keine Pestizide
Manche stofflichen Hilfsmittel erleichtern den Pflanzenanbau und den Pflanzenschutz, bringen aber erhebliche Nebenwirkungen mit sich. Vor allem das Grundwasser und viele Pflanzen und Tiere sind durch den reichlichen Einsatz der chemischen Mittel oder durch falsche Anwendungen stark gefährdet. Dabei können chemische Dünger und Pestizide leicht durch natürliche Alternativen ersetzt werden. Kompost aus biologisch abbaubaren Essensresten, allen voran Eier- und Bananenschalen und Kaffeesatz, reichern die Erde ausreichend mit Nährstoffen an. Chili, Knoblauch und Zwiebel klein schneiden, mit heißem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen – fertig ist das umweltfreundliche Pflanzenschutzmittel. Vorgebeugt werden kann Schädlingsbefall im Garten auch durch Aufhängen von Nistkästen, da die Vögel die in größerer Zahl auftretenden Schadinsekten und Würmer verspeisen.

von Ulrich Meyer-Spethmann

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