Veröffentlicht von Doris Hüls am Fr., 17. Jul. 2020 10:50 Uhr

Wir als Kirchengemeinde mussten aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus unsere Gemeindehäuser und Kirchen, samt aller Veranstaltungen – einschließlich der Gottesdienste – schließen. Aber was ist eine Kirchengemeinde ohne Verbindung zu ihren Mitgliedern? Gerade in Krisensituationen wie dieser Pandemie ist die Aufgabe der Kirche, ihren Gemeindemitgliedern beizustehen, besonders wichtig.

In einer Gemeinde unseres Kirchenkreises kam bereits vor der Pandemie die Idee auf, den Menschen in den kleinen Alltagsdingen Unterstützung anzubieten. Wer aus alters- oder gesundheitlichen Gründen manches nicht (mehr) machen kann, dem sollte geholfen werden.

Nun wurde bereits mit den Schließungen der Schulen diese Idee auf Initiative der DiakonInnen auf den ganzen Kirchenkreis übertragen, auch in Nordhorn. Nordhorner BürgerInnen, die eine Vorerkrankung haben, zu ängstlich sind, um sich aus dem Haus zu bewegen oder sich in Quarantäne befinden, haben seit Mitte März die Möglichkeit, sich bei der Diakonin Inga Rohoff zu melden, um Einkaufsbestellungen aufzugeben. Diese werden dann am darauffolgenden Tag von einem freiwilligen Lutherengel-Helfer ausgeliefert.

„Ich fand die Idee von Anfang an super. Beim ersten Mal Einkaufen war es noch ein komisches Gefühl, aber das hat sich schnell gelegt. Es war nicht immer leicht, alle Lebensmittel schnell zu finden, besonders wenn außergewöhnliche Sachen dabei waren wie z. B ein Fön. Vor allem kommen mir, wenn ich zurückdenke, schöne Erinnerungen. Alle, denen ich helfen konnte, nahmen meine Dienste mit großer Dankbarkeit und Freude auf. Auch kam es vor, dass, wenn ich häufiger für die gleiche Person einkaufen ging, diese mir beim Ausliefern noch ihre Gedanken und Freuden des Alltags mitteilte. Es war sehr schön, den unterschiedlichsten Menschen zu begegnen, alle mit ihrer eigenen Geschichte.“
Eine weitere Idee war die Lutherengel-Postkarten-Aktion. Lutherengel jeden Alters haben Gemeindemitgliedern, welche in dieser Corona-Zeit Geburtstag hatten, besondere Glückwünsche mit der Botschaft „DU BIST NIEMALS ALLEINE!“ geschrieben. Diese Aktion brachte eine Vielzahl an positiven Rückmeldungen und freundlichen Antworten. Teilweise war sie ein Anstoß für einen Austausch zwischen Kirche, Gemeindemitgliedern und Lutherengeln. „Ich war sehr gerührt und werde diese Karte gut aufbewahren. Das ist wirklich eine tolle Idee in dieser schwierigen Zeit“ – so eine Brief-Empfängerin.
Eine weitere Idee der Lutherengel war der Familien-Osterkalender. Wenn Familien ständig aufeinander hocken, ist das oft anstrengend. Also kam die Idee, Familienpäckchen vorzubereiten. In diesen befanden sich u. a. Rätsel, Spiele, Stifte und Anleitungen zum Basteln. An 30 Familien wurde dieser Kalender verteilt. Außerdem gab es einen Familien-Newsletter, in dem es per email Geschichten, Rätsel, Spiel-Ideen, Rezepte und vieles weitere zu finden gab.

Damit zu Ostern Gemeindemitglieder trotz Verbot in die Kirche konnten, hatten diese die Möglichkeit, mit einem Foto am aufgezeichneten Video-Gottesdienst teilzunehmen. Außerdem haben viele sich aktiv an der Vorbereitung des Ostergottesdienstes beteiligt. Es ist überwältigend zu sehen, wie die Gemeinde in Krisenzeiten zusammenrückt und viele kreative Ideen zum Bewältigen der Situation schafft. Herzlichen Dank an alle, die sich in irgendeiner Form in den letzten Monaten daran beteiligt haben.

von Ole Bentz


Kategorien Gemeindeleben