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Die Frau hinter der Brücke

Die Frau hinter der Brücke
Veröffentlicht von Susanne Jacob am Mo., 23. Nov. 2020 11:36 Uhr
Gemeindeleben

Mit dem Jahreswechsel wird die langjährige Sekretärin der Martin-Luther-Gemeinde, Doris Hüls, in den Ruhestand verabschiedet. Holger Schmidt schaut mit ihr in einem Interview auf bewegte Zeiten zurück und zugleich voraus.

Seit gut 16 Jahren bist du Sekretärin der Martin-Luther-Gemeinde. Weißt du noch, warum du Dich gerade hier in dieser Gemeinde für den Beruf einer Pfarr- und Gemeindesekretärin beworben hattest?

Ich hatte mich zunächst gar nicht beworben, da ich mich in einem festen Arbeitsverhältnis befand. Ich bin von der Kirchengemeinde gefragt worden, ob ich mir nach dem Ausscheiden von meiner Vorgängerin die Stelle als Sekretärin der Gemeinde vorstellen könne. Insgeheim hatte ich zwar ein wenig auf die Stelle „geschielt“, aber die Entscheidung zum Wechsel fiel mir gar nicht so leicht. Ich habe mich dann aber doch beworben und habe das auch nie bereut!

Vielen Menschen bist du im Laufe deines Dienstes begegnet. Welche Begegnungen werden dir in Erinnerung bleiben?

Ich habe mich immer gefreut, wenn ich Besuch bekommen habe. Besonders schön fand ich es, wenn Familien zur Taufanmeldung kamen. Wenn die Kleinen kamen, konnte man bei sich selbst die kindliche Energie spüren. Das hat den Vormittag positiv aufgelockert.

Du hattest als Sekretärin mit allen Generationen zu tun. Welche Anliegen lagen dir besonders am Herzen?

Dass, was bei einer Arbeitsplatzbeschreibung einer Gemeindesekretärin nicht erwähnt wird: die Gespräche mit den Gemeindegliedern, den Menschen. Als Sekretärin ist man auch eine „kleine“ Seelsorgerin. Oft habe ich Ältere aber auch Jüngere im Büro gehabt, die mir ihre Sorgen erzählt haben. Gerade bei den Älteren habe ich gemerkt, dass die oftmals jemanden zum Reden gebraucht haben. Manchmal schütteten diese ihr Herz bei mir aus. Dann habe ich die Arbeit beiseite geschoben und später erledigt. Das war mir ein Anliegen und ist auch ein großer Teil meiner Arbeit gewesen, weil wir als Sekretärinnen oft der erste Ansprechpartner sind.

Deine 16 Jahre als Sekretärin bilden auch eine kleine Epoche der Gemeinde, die du miterleben durftest. Welche Veränderungen deines Berufes hast du erlebt? Welche stach besonders hervor?

Neben der Veränderung des Umzuges vom Pfarr- ins Gemeindehaus sticht als größte, extremste Veränderung die Digitalisierung in meinem Beruf hervor. Als ich anfing, hatte meine Vorgängerin noch viel mit der Schreibmaschine gearbeitet. Mit meinem Arbeitsbeginn habe ich vieles digitalisiert. Aber alles, was in den letzten Jahren bzw. gerade jetzt in den letzten Monaten digitalisiert wurde, bedeutete auch viel Aufwand. Die Umstellung der email-Konten, die digitalen Kirchenbücher etc. – in der Kirche und v. a. im Sekretärinnenwesen hat sich mit der Digitalisierung einiges in dieser Zeit verändert.

Heute gibt es bekanntlich viel mehr digitale Möglichkeiten für die Verwaltung, Dinge zu organisieren. Inwieweit hat dies deines Erachtens Vor- und/oder Nachteile für eine Gemeinde? Welche neuen Horizonte ergeben sich daraus?

Gerade heute haben wir die erste virtuelle Dienstbesprechung durchgeführt. Das erlebe ich als eine schöne Möglichkeit. Ich denke, wenn die Voraussetzungen gegeben sind und die Menschen mitmachen, dass man darüber auch die Gemeinde erreichen könnte. Dies würde v. a. auf die jüngere, weniger auf die ältere Generation, zutreffen. Ich könnte mir vorstellen, dass man Angebote nicht mehr vor Ort macht, sondern digital. Andererseits fürchte ich dann, dass wie bei den Banken der persönliche Kontakt verloren geht, es anonym wird. In dieser speziellen Zeit merke ich schon diese Veränderung. Der direkte Kontakt mit den Gemeindegliedern wird weniger. Vieles wird mittlerweile über Email erledigt. Junge Menschen rufen nicht mehr an, sondern schicken die Unterlagen direkt digital per email oder stellen auf diesem Wege Nachfragen.

Apropos digital - über Jahrzehnte hast du diese Brücke begleitet, mitgestaltet und die Artikel gesetzt. Du warst sozusagen „die Frau hinter der Brücke“. Was hat sich in der Redaktion, Gestaltung und Ausgaben neu entwickelt?

(lacht bei dem Titel „Die Frau hinter der BRÜCKE“) Die Veränderung bei der Gestaltung der Brücke stehen mir vor Augen (schmunzelt). Als ich anfing, wurden die BRÜCKE-Artikel sämtlich mit Schreibmaschine geschrieben. Auf einem DIN A4 Blatt wurden die Lücken für die Bilder freigelassen, nachträglich eingeklebt und zur Druckerei gegeben. Dies habe ich gleich verändert, weil ich durch meine alte Arbeitsstelle schon die Erstellung von Broschüren mit  dem Schreibprogramm Word kannte. Mit einem neuen Computer und der Jubiläumszeitschrift unserer Gemeinde kam der nächste Schritt mit dem Programm „Publisher“, mit dem man Publikationen erstellen kann. Jetzt, mit dem professionellen Layoutprogramm „InDesign“ geht vieles gut von der Hand, wenn man einmal das Grundgerüst und die Funktionsmöglichkeiten kennt. In der Redaktion erlebte ich die Veränderung von einer gemeindeeigenen zu einer gemeinsamen Redaktion beider lutherischen Gemeinden. Hier mussten die unterschiedlichen Abläufe und Entscheidungen miteinander völlig neu abgestimmt werden. Insbesondere die thematische Schwerpunktsetzung der BRÜCKE war Neuland für die Leser der anderen Gemeinde, die zum Teil eine größere Anzahl von Gemeindeartikeln vermissten. Unsere Gemeindeglieder mussten sich wiederum an die Vielzahl der Artikel aus der Christus- und Kreuz-Kirchengemeinde gewöhnen.

„DIE BRÜCKE“ – zahlreiche Ausgaben. An welche erinnerst du dich noch besonders gern und warum?

(überlegt) Ich fand viele schön. Die Ausgabe zu Weihnachten 2018 mit dem Thema „Kinder“ fand ich gelungen. Besonders bleibt mir jedoch eine der älteren Ausgaben in Erinnerung. In dieser Ausgabe wurden sehr viele Gemeindeglieder zu einem Thema befragt und haben selbst kleine Artikel geschrieben. Die Fülle der Meinungen, Ideen und Artikel bleibt mir in Erinnerung. So was mag ich persönlich sehr gerne.

Sozusagen eine Patchwork-„Brücke“.

Ja, so aufgelockert, ganz viele kleine und kleinste Texte. Es kam zum einen aus der Gemeinde heraus – man kannte die Menschen, die das geschrieben haben – anderseits war es lebendig, nicht so wissenschaftlich. Aber es war ein besonders großer Aufwand, Leute zu finden, die bereit waren, einen Artikel zu schreiben. In den heutigen BRÜCKE-Ausgaben taucht diese Idee in kleiner Version unter der Rubrik „Nachgefragt“ immer wieder mal auf.

Die Weihnachtsausgabe der BRÜCKE des Jahres 2020, deine letzte von dir mitzugestaltende Brücke, steht unter dem Titel „Maria“. Welche Bedeutung hat Sie für dich?

Maria ist für uns nicht so präsent wie für die Katholiken. Aber wenn ich versuche, mich in Maria hineinzuversetzen, kann ich sie zunächst überhaupt nicht verstehen (lacht ein wenig). Wenn ich mir vorstelle, mir würde das passieren … ich wundere mich, dass die Frau nicht durchgedreht ist … und dann ihren Mut, den sie aufgebracht, die Flucht die sie mitgemacht hat … ich bewundere diese Frau. Sie war eine starke Frau – mit einem ebenfalls starken Mann an ihrer Seite. Taff würde man heute Maria wohl bezeichnen. Ich denke, ich könnte es so, wie sie es gemacht hat – so demütig das Schicksal annehmend - nicht.   

Mit deinem Abschied in den Ruhestand gewinnst du mehr Zeit für dich. Was hast du dir für diesen neuen Lebensabschnitt vorgenommen?

Erstmal habe ich mir vorgenommen, gar nichts zu machen (schmunzelt). Ich möchte in diesem Rentenleben erst einmal bewusst ankommen, wie im Urlaub entspannen und zu Hause die Dinge tun, die bisher zurückstehen mussten. Ich möchte mehr Sport (u. a. auch Yoga) treiben, mehr Zeit für meine Familie v. a. die Enkelkinder haben und mit meinem Mann – solange er noch im Außendienst arbeitet – mitfahren, um mir einige schöne Städte in Norddeutschland anzuschauen. Ich könnte mir vorstellen, einen Handtrommelkurs zu belegen oder ein anderes Musikinstrument noch zu erlernen.

Ich wünsche dir, auch im Namen der Gemeinde und der BRÜCKE-Redaktion, viel Freude, die Erfüllung deiner Träume und Gottes Segen für deinen neuen Lebensabschnitt. Danke - für deine Zeit bei uns.

Pastor Holger Schmidt über Doris Hüls:

„Doris (Hüls) und ich kennen uns nun fünf Jahre. Gerade in meiner ersten Zeit half sie mir, mich strukturell in der Gemeinde schnell zurecht zu finden. Ihr Wissen ebnete mir den Weg als Pastor in der Martin-Luther-Gemeinde. Doris eröffnete mir früh ihren Wunsch nach einem vorzeitigen Ruhestand, jedoch erlebte ich kein Nachlassen in ihrer Verlässlichkeit und Engagiertheit für ihre Arbeit in der Gemeinde. Ihre guten Kenntnisse und ihre Freude am Beruf verbanden sich zu einem Gewinn – sowohl persönlich als auch beruflich. Ich bin sehr dankbar für ihre Arbeit als Sekretärin in unserer Gemeinde. Ich wünsche ihr von Herzen alles Gute und Gottes Segen im nun neu beginnenden Lebensabschnitt.“