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Rückenwind bis nach Ostfriesland

Rückenwind bis nach Ostfriesland
Veröffentlicht von Susanne Jacob am Mo., 23. Nov. 2020 11:42 Uhr
Gemeindeleben

Knapp 16 Jahre lang war Thomas Kersten als evangelisch-lutherischer Pastor in Nordhorn tätig – nun verlässt er die Grafschaft und zieht nach Ostfriesland, wo er im Dezember das Amt als Superintendent des Kirchenkreises Rhauderfehn antritt. Am Sonntagnachmittag (1.11.2020) wurde er mit einem Gottesdienst im NINO-Hochbau verabschiedet.

Kersten stammt gebürtig aus Clausthal-Zellerfeld und wuchs in Altenau im Oberharz auf. Nach seinem Studium in Bethel, Heidelberg und Göttingen ging es für ihn nach Kanada, wo er in der Stadt Kelowna sein Vikariat absolvierte und insgesamt sieben Jahre als Auslandspastor wirkte. Im Januar 2005 begann schließlich seine Zeit in der Nordhorner Kreuzkirchengemeinde, die 2012 mit der Christusgemeinde fusionierte. Seit 2018 ist er stellvertretender Superintendent im hiesigen Kirchenkreis Emsland-Bentheim.

Pastorin Henrike Lüers begrüßte die versammelte Gemeinde am Sonntag zu einem „besonderen Gottesdienst in einer besonderen Zeit.“ Mit der Feier wolle man Thomas Kersten Rückenwind bis nach Ostfriesland geben. Die Abschiedspredigt hielt der scheidende Pastor selbst und ging darin auf  Allerheiligen als „glanzvolles Fest gegen Enge und Angst“ ein, welches die „stärkende, frohmachende und tröstende Botschaft“ in Herz und Verstand und vor die Augen führe. Diese Heiligkeit dürfe nicht Konsum und Profit untergeordnet werden, sondern müsse in Bereichen wie Diakonie, Bildung und Ökumene zum Ausdruck kommen. Sie sei nicht einfach nur ein Ausflug in Spiritualität. „Bleiben wir hoffnungsvoll und zuversichtlich und stehen wir zu unserem Glauben“, sagte er abschließend.

Superintendent Dr. Bernd Brauer erklärte, Thomas Kersten habe in vielfältiger Weise Gottes Liebe bezeugt, sich in der Grafschaft und im Kirchenkreis gut verwurzelt und durch persönlichen Einsatz verschiedene Projekte ermöglicht. Brauer dankte Kersten für dessen freundliche Art und auch für dessen Humor. Der Superintendent rief zudem die Gemeinde dazu auf, weiterhin für ihren Pastor zu beten.

Von Kerstens humorvollen Wesen wusste auch sein direkter Kollege, Pastor Simon de Vries aus der Christus- und Kreuzkirchengemeinde, zu berichten und schilderte verschiedene Szenen – so etwa aus der einzigen gemeinsam besuchten „Fortbildung“, einer Whiskyprobe an der Volkshochschule. Da habe Kersten ihn nicht als wie sonst als „jungen Pastor“ vorgestellt, sondern gegenüber den anderen Teilnehmerinnen behauptet, de Vries sei just aus der JVA Lingen entlassen worden und er selbst sei sein Bewährungshelfer. Nach den Anekdoten wurde Simon de Vries noch einmal ernst und sagte an den scheidenden Pastor gerichtet: „Du warst ein wunderbarer Kollege und Freund. Dir sind die Menschen wichtig und du begegnest ihnen auf Augenhöhe. Es war mir eine sehr große Freude.“

Als Vertreterin des Evangelischen Gymnasiums trat Dr. Gabriele Obst ans Mikrofon. Sie unterstrich, Kersten sei von Anfang an dabei gewesen und habe das Gymnasium als Mitglied im Schulvorstand sowie als Vater zweier Kinder, die die Schule besuchten, begleitet. Obst bezeichnete ihn als „Schulpastor der Herzen“ sowie – zur Freude aller Anwesenden – als „Lady Di des EGN“.

Ebenfalls ein langer Wegbegleiter ist Wilhelm Göke, ehrenamtlicher Baubeauftragter der Kirchengemeinde. Er erzählte, in Ostfriesland wehe selbst der Südwind aus Norden – und jetzt sogar aus Nordhorn. Zum Abschied überreichte er ihm sein jüngst erschienenes Buch über die Baugeschichte der Kreuzkirche.

Ein besonderes Anliegen war Thomas Kersten – neben der Feier des Gottesdienstes, der Seelsorge und der Arbeit mit KiTa-Kindern – stets ein gutes Miteinander der Konfessionen. Als leuchtendes Beispiel hierfür gilt die von drei Glaubensgemeinschaften genutzte Michaeliskirche in Klausheide. Insofern durfte auch Jürgen Veldboer von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nordhorn auf der Rednerliste nicht fehlen, der Kerstens Einsatz für die Ökumene betonte. Besonders habe ihn beeindruckt, wie der lutherische Pastor nach dem Tod des katholischen Pfarrers Martin Drobny umgehend zur Stelle war und gemeinsam mit den Katholiken trauerte.

Thomas Kersten, der in seiner Freizeit gerne Fußball schaut und wandern geht, dankte zum Schluss seiner Frau Stefanie, die ihm zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Konstantin nach Ostfriesland folgen wird, sowie allen, mit denen er im Laufe seiner Nordhorn-Jahre zu tun hatte. Die Gemeinde spendete kräftigen Applaus. Für die musikalische Begleitung des Gottesdienstes sorgte Jens Christian Peitzmeier am Klavier.


von Sebastian Hamel