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KFD meets Maria 2.0

KFD meets Maria 2.0
Veröffentlicht von Susanne Jacob am Mo., 23. Nov. 2020 13:00 Uhr
Themenschwerpunkt

Ihr seid in der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) Grafschaft Bentheim engagiert. Könnt Ihr diesen großen katholischen Frauenverband vorstellen und auch Euch selbst?

Maria: Die kfd gibt es bereits seit mehr als hundert Jahren und sie hat sich im Laufe der Geschichte immer weiterentwickelt. Wir sind mit ca. 450.000 Mitgliedern einer der größten Frauenverbände Deutschlands, der sich für die Interessen von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft einsetzt. Viele Themen und Ziele der kfd sprechen mir aus dem Herzen. Die kfd bezieht Position nicht nur zum Thema „Frauen in alle Ämter“ sondern auch zu Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit, Ökumene, Rentenpolitik, arbeitsfreier Sonntag, fairer Handel, Gewalt gegen Frauen und vieles mehr. Deshalb habe ich mich auch zur Dekanatssprecherin wählen lassen.

Helga: Ich gehöre zur Gemeinde St. Josef und bin seit über 40 Jahren Mitglied in der kfd und auch von Anfang an ehrenamtlich in ihr engagiert, davon 24 Jahre in gewählten Ämtern auf der Pfarrebene, Regionalebene und als Dekanatssprecherin und immer auch an der Basis.

Im Mai 2019 haben – ausgehend von einer katholischen Gemeinde in Münster – Frauen die Reformbewegung „Maria 2.0“ gegründet. Diese Frauen fordern als wichtigstes Ziel die Gleichberechtigung der Frauen in ihrer Kirche in allen kirchlichen Ämtern. Was verbindet euch als kfd-Frauen mit dieser Bewegung?

Maria: Frauen in alle kirchlichen Dienste und Ämter zu lassen, fordern auch wir seit 2019. Ich denke, da hat uns die Bewegung Maria 2.0 geholfen, dass wir hier als kfd dies auch noch klarer formulieren. Allerdings fordern wir bereits seit 1998, dass es nicht nur männliche Diakone gibt, sondern auch Frauen zu diesem Amt zugelassen und geweiht werden. In der katholischen Kirche haben die Frauen zwar Zutritt zu vielen kirchlichen Berufen, aber zu keinem Weiheamt. Dazu gehört auch das Priester-, Bischofs- und Papstamt. Dies schmerzt die Frauen sehr, die in so vielen Bereichen die Kirche tragen und stützen. So feiern wir in der kfd mittlerweile seit 22 Jahren immer am 29. April mit einem Gottesdienst den Tag der Diakonin. Damit wollen wir unterstreichen, dass unsere Forderung nicht vergessen ist, Frauen zu Diakoninnen zu weihen. Es ist vielmehr der erste konkrete Schritt auf dem Weg, Frauen den Zugang zu allen priesterlichen Ämtern zu gewähren. Die kfd ist auch beteiligt am Netzwerk „Diakonat der Frau“, was bedeutet: Frauen lassen sich schon jetzt zur Diakonin ausbilden und stehen quasi in den Startlöchern um geweiht zu werden. Du siehst, wir sind als kfd schon länger mit dem Thema unterwegs und fordern jetzt die Öffnung aller kirchlichen Ämter für Frauen. Durch die Bewegung Maria 2.0 hat das Ganze nochmal Fahrt aufgenommen und sehr viel öffentliche Aufmerksamkeit gebracht.

Vor mir liegt ein GN-Artikel aus dem Herbst 2019 über den „Marsch in Weiß“ in der Fußgängerzone in Nordhorn. Ihr wart dabei. Könnt Ihr uns etwas davon erzählen?

Helga: Ich bin im Herbst 2019 zusammen mit kfd-Vertreterinnen aus der ganzen Grafschaft der Einladung des Regionalvorstandes der kfd zu diesem „Marsch in Weiß“ gefolgt. Dieser stand unter dem Motto „kfd meets Maria 2.0“. Es ging um die Ungleichbehandlung von Frauen in der Katholischen Kirche. Wir waren alle weiß gekleidet und ausgestattet mit großen purpurfarbenen Kreuzen mit Forderungen wie „Lasst uns gemeinsam unsere Kirche wach küssen!“ oder „Wir wollen auf Augenhöhe Verantwortung übernehmen und tätig sein!“ Es unterstützten unseren Protest auch einige Männer und Mitarbeiter*Innen im kirchlichen Dienst. Wir sind durch die Innenstadt gezogen bis zum Portal der Kirche St. Augustinus. Dort fand unser Marsch seinen Abschluss mit einem gemeinsamen Gebet.

Ihr trugt bei Eurem Marsch weiße Kleidung und purpurfarbene Kreuze. Was bedeuten diese Zeichen?

Maria: Die Farbe Weiß ist Kennzeichen der Bewegung Maria 2.0, die weiße Kleidung bei ihren Protesten und Veranstaltungen trägt. Weiß, die Farbe der Taufkleidung: alle sind auf Jesus Christus getauft, berufen den Glauben zu leben, Mädchen und Jungen ohne Unterschied. Auch symbolisiert Weiß den Neubeginn.

Helga: Das purpurne Kreuz ist ein Zeichen des Protestes der kfd: Mit dem Purpurkreuz stellen wir uns in die Nachfolge Lydias, der Purpurhändlerin (Apg 16,14-15) im griechischen Philippi, die erste Person auf europäischem Boden, die den christlichen Glauben annahm und von Paulus getauft wurde. Wir knüpfen an die Würde an, für die die Farbe Purpur bei hohen kirchlichen Amtsträgern steht, denn dies ist die Farbe der Kardinals- und Bischofsgewänder. Wir sehen uns in der Tradition der feministischen Bewegung. Wir stehen für die Gleichberechtigung der Frauen in Gesellschaft und Kirche - weltweit. Spirituell sehen wir uns in der Nachfolge Christi, der am Kreuz für uns gestorben ist. Die fehlende Ecke am rechten unteren Balken deutet darauf hin, dass uns kfd-Frauen etwas an der Kirche fehlt. Dieses Kreuz gehörte zur Aktionswoche 2019 mit dem Thema „Frauen, worauf wartet ihr?“ Es war uns wichtig, beides zu verbinden: Die purpurfarbenen Kreuze der kfd und die Farbe Weiß als Kennzeichen von Maria 2.0: kfd meets Maria 2.0.
Die Gleichberechtigung der Frauen ist ein langer Weg. Unsere evangelischen Schwestern sind uns auf diesem Weg ein Stück voraus. In ihren Kirchen gibt es schon Pfarrerinnen und Bischöfinnen. Wie ergeht es Euch, wenn Ihr darauf schaut?
Maria: Naja, ein bisschen neidisch bin ich schon. Aber auch damals  – bei den ersten weiblichen Pfarrerinnen  – gab es in den evangelischen Kirchen viel Aufruhr. Inzwischen ist es Normalität. Und ich hoffe, dass wir es auch noch erleben können, dass es Pfarrerinnen in der katholischen Kirche gibt.

Viele Menschen kehren in heutiger Zeit der Kirche den Rücken zu. Was treibt Euch an, Euch weiterhin in Eurer Kirche als Frauen zu engagieren?

Helga: Wir sind viele in der kfd, das macht unseren Verband stark. Wir haben ein kompetentes Team auf der Bundesebene mit engagierten Referentinnen und aktuellen Themen. Hier und auf allen Ebenen der kfd, wo ich engagierte kfd-Frauen getroffen habe, werde ich angespornt. Genauso ermutigen mich Frauen und Männer, die ich vor Ort bei meiner ehrenamtlichen Arbeit treffe – z.B. beim Besuchsdienst.

Maria: Mir geht es ähnlich wie Helga. Das Unterwegssein mit anderen Frauen in der kfd, die gemeinsam ihre Vorstellungen teilen und Ziele erreichen möchten, all das treibt mich an und macht mir auch Mut. Dazu macht mir dieses Engagement nach all den Jahren immer noch viel Freude. Niemand von uns ist alleine und muss alleine für die gute Sache kämpfen. Unser Pastor aus Wietmarschen hat mal formuliert: Nicht austreten, sondern auftreten! Diese Position gefällt mir! Durch Austritt kann man (frau) doch nichts erreichen. Nur die, die in der Kirche bleiben, können Veränderungen vorantreiben. Sollen wir die Kirche den konservativen Ja-Sagern überlassen?

Ich danke euch herzlich für das Gespräch.